Lorup - Gesplitterter Schweinemarkt: die Sauenhalter jubeln nach wie vor über hohe Ferkelpreise, während die Schweinemäster aufmerksam die Notierungen beobachten und etwas skeptischer die Marktposition beurteilen.
Der Nikolaustag und das Weihnachtsfest waren noch beste Zeiten für alle Schweinehalter. Die Mäster jubelten über endlich bessere Schweinepreise. Die Nachfrage aus dem durch die Afrikanische Schweinepest (ASP) gebeutelten China – plus 56 Prozent Export aus Deutschland – trieb auch hier die Preise in die Höhe. 2,03 Euro/kg Schlachtgewicht war der höchste Preis seit der BSE-Krise vor 20 Jahren.
Aktuell sind allerdings nicht viele belebende Impulse zu spüren. Das gilt sowohl für die nationale als auch für die internationalen Geschäfte. Besonders die Exporte nach China fallen nur sehr gering aus. Die Unsicherheit durch die Verbreitung des Coronavirus bremst den Handel dort aus.
Und so sind die Zeiten mit den höchsten Preisen erst einmal vorbei. Die Freude wurde zudem zumindest für den Schweinehalter ohne eigene Aufzucht etwas getrübt. Die Ferkelpreise waren hoch wie lange nicht mehr: 71 Euro pro Ferkel (25 kg). „Das sind mit Steuern und allen zusätzlichen Kosten rund 100 Euro“, hat Hendrik Schmunkamp, bei der Erzeugergemeinschaft (EZG) Qualitätsvieh Hümmling mit Sitz in Lorup für den Ferkelein- und -verkauf zuständig, schnell addiert.
Die Schweinepreise fielen nach dem Jahreswechsel um über zehn Prozent auf 1,82 Euro/kg. Leicht auszurechnen, dass bei steigenden Futterkosten – rund 60 Euro pro Schwein – kaum noch etwas hängenbleibt.
Die Ferkelpreise blieben hoch. Die Nachfrage kann nämlich von den deutlich weniger werdenden Sauenhalterm in Deutschland nicht mehr gedeckt werden. Auch die Lieferungen aus den Nachbarländern können kaum erhöht werden. Dänemarks Bestände schrumpfen, die Mäster zahlen hohe Preise; in den Niederlanden wird rigide abgestockt. Auch die Polen und die Spanier, die mächtige Schweinebestände aufbauen und Deutschland als Nr. 1 ablösen werden, suchen Ferkel. Folge: in der achten Woche in Folge notiert der Preis bei 71 Euro. An Spotmärkten wird gar noch mehr gezahlt.
Jetzt wurden auch die zuvor bestehenden Angebotsüberhänge am deutschen Schlachtschweinemarkt abgebaut. Die Nachfrage entwickelte sich zügig, sodass die verfügbaren Angebotsmengen zu Beginn der neuesten Schlachtwoche vielfach nur noch knapp ausreichend ausfallen. Die Preise stiegen entsprechend leicht an: von 1,82 auf 1,85 Euro/kg. Den Mästern fehlen aber mehr als 3000 Euro für eine 180-Schweine-Wagenladung.
Trotzdem erwartet Bernd Terhalle, Geschäftsführer der EZG, „Hauspreise“ bei den führenden Schlachtbetrieben von Tönnies bis Westfleisch. Dort wurden vorige Woche weiterhin nur 1,82 Euro/kg gezahlt. Auch Branchenriese Tönnies akzeptierte vergangenen Woche die 1,85 nicht.
„In den nächsten Wochen steigen dann die Preise“, zeigte sich Terhalle aber optimistisch. Er meinte: „Dann rechnen sich auch die hohen Ferkelpreise“.
