Lorup/Oldenburg - Experten der Praxis und der Theorie haben sich nicht getäuscht. Der Preisanstieg für Schweine hat sich weiter fortgesetzt. Nachdem der Kilopreis bereits in der Vorwoche von 1,89 Euro auf 1,95 anzog, wurden am Mittwoch – erstmals seit 18 Jahren – wieder zwei Euro notiert. Die Schweinemäster verbuchen als Erlös jetzt 30 Euro je Tier und auch den Sauenhaltern bleibt ein Fünftel des Ferkel-Verkaufspreises von mittlerweile 66 Euro/25 Kilo.

Albert Hortmann-Scholten, Marktexperte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (Oldenburg), hatte schon vor zwei Monaten prognostiziert, dass in Kürze die Zwei-Euro-Grenze „geknackt“ werde. Wesentlicher Preistreiber ist die Afrikanische Schweinepest (ASP), die dazu geführt hat, dass in China zahlreiche Schweine getötet werden mussten und die chinesischen Schweinepreise auf immer neue Rekordhöhen treibt. Schon vor zwei Monaten bekamen die chinesischen Schweinefleischerzeuger 2,75 Euro – allerdings pro Kilo Lebendgewicht. Hierzulande wird nach Schlachtgewicht abgerechnet, das sind noch einmal 20 Prozent Differenz. Und mittlerweile ist in China der Preis weiter gestiegen – die Aufkäufer aus dem Reich der Mitte kaufen die deutschen Märkte leer.

Schweine stehen jedoch nur im begrenzten Umfang zur Verfügung, weil auch viele Schweinemäster und erst recht die Sauenhalter ihren Betrieb aufgegeben haben. So wird aus der einstigen Not ein Glück für die verbleibenden Bauern, die mit erneut deutlich erhöhten Preisen in der neuen Schlachtwoche rechnen können. Aber so mancher Mäster erwartet dieses auch und hält die Tiere fest. „Das Ganze ähnelt dem Aktienhandel“, meint Bernd Terhalle, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Qualitätsvieh Hümmling (Lorup).

Was gut für die Mäster ist, ist schlecht für die Verbraucher. Denn egal ob Schnitzel, Wurst oder Braten vom Schwein – auch hierzulande ziehen die Preise für Schweinefleisch seit Monaten an.

Die ASP ist eine Viruskrankheit, die für Menschen ungefährlich, aber für die Tiere sehr schnell tödlich ist. Auch in Polen gibt es neue Fälle im Westen des Landes, nur 80 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.


Letztmals waren die Preise vor 18 Jahren so hoch: 2001 war der Schweinemarkt von heftigen Preisschwankungen geprägt, die ihren Ursprung in der BSE-Krise und dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Europa hatten. Innerhalb weniger Wochen stiegen die Schlachtschweinepreise um deutlich mehr als eine D-Mark und erreichten Mitte März ein Rekordniveau von 4,13 D-Mark (2,11 Euro) je Kilo Schlachtgewicht für Tiere der Handelsklasse E.