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Lüerter Haben Etwa 60 Korallen Tierzucht mal unter Wasser

Lüerte - Fans des 2003 erschienenen Kinderfilms „Findet Nemo“ werden es womöglich wissen: Der Clownfisch Nemo lebt mit seinem Vater in einer Anemone. „Ich habe den Film gesehen, da ist vieles richtig“, sagt Mandy Brengelmann. Die 40-Jährige muss es wissen: Gemeinsam mit Ehemann Timo züchtet sie im Haus in Lüerte Korallen. Und ab und zu ist ein Clownfisch in einer Anemone zu sehen.

Viele Kabel und Stecker

1000 Liter fasst das Aquarium im Wohnzimmer der Brengelmanns, rund 60 Korallen befinden sich darin. „Ich wollte ein Süßwasserbecken“, erzählt Timo Brengelmann. „Langweilig“ habe seine Frau gesagt – aus ihrer Jugend kannte sie bereits Süßwasser-Aquarien. Timo Brengelmann stieß im Internet auf ein 300 Liter fassendes Salzwasserbecken. Damit konnte seine Gattin schon eher leben. Das war 2014. Das Aquarium wurde eineinhalb Jahre später gegen ein größeres eingetauscht. Eine Maßanfertigung. Die Fliesen mussten entfernt werden, um es im Wohnzimmer einbauen zu können.

Versteckt in einem Schrank, auf dem das Aquarium steht, herrscht für den Laien auf den ersten Blick Kabelsalat: „Hier sind sämtliche Stecker und Kabel. Wir haben ja allein vier Pumpen und sechs Lampen“, erklärt Timo Brengelmann. So manche Gerätschaften hat er sich selbst mithilfe eines 3D-Druckers zusammengebaut. „Erst hatten wir drei, vier Weichkorallen.“ Mandy Brengelmann zeigt ein Video. Im Vergleich zu jetzt wirkt das damalige Aquarium regelrecht leer gefegt. „Weichkorallen sind pflegeleicht.“ Bei rund 60 dieser Tiere müssen die Brengelmanns aufpassen, dass sie nicht zu nah beieinander stehen. Man unterscheidet bei Korallen zwischen LPS (Abkürzung für Large Polyp Scleractinia) und SPS (Small Polyp Scleractinia), das Paar besitzt beide Arten. LPS-Korallen sind „die langen, die so wackeln“, erklärt es Timo Brengelmann. Die SPS-Korallen sind hingegen die kurzen. LPS ist immer im Vorteil, erklärt das Lüerter Paar: Kommt LPS mit SPS in Berührung, kann SPS absterben.

Sterben würden beide Korallenarten, wenn nicht genug Licht da sei. Denn die Tiere ernähren sich unter anderem von selbst gezüchteten Algen. Die Alge lebt von Licht. Fehlt dieses, stirbt sie – und der Koralle fehlt Nahrung. „Manchmal geben wir ihnen auch Korallenfutter“ – braunes Pulver – „um ihnen etwas Gutes zu tun“, so Mandy Brengelmann.

Mit Kleber vermehren

In der freien Natur würde ein Stück der Koralle abfallen und auf dem Boden weiterwachsen. Im Aquarium muss der Mensch bei der Vermehrung nachhelfen: „Wir knipsen ein Stück der Koralle ab und kleben es mit einem speziellen Kleber auf den Boden“, erklärt Timo Brengelmann. Die Ableger verkauft das Paar. Für drei bis vier Zentimeter nehmen sie zum Beispiel 15 Euro, erklärt seine Frau – je nach Koralle variiere der Preis. „Im Geschäft kostet es das Doppelte oder Dreifache“, ergänzt die 40-Jährige.


Wasser kühlen

Ihr Mann macht darauf aufmerksam, dass der Verkauf aus der eigenen Zucht der Umwelt zugute komme: „Sonst würden die Korallen irgendwo im Meer abgeschnitten werden.“ Wenn diese Meere wärmer würden, werde es gefährlich für die Korallen, ergänzt der 42-Jährige. Die Wassertemperatur im Aquarium liegt bei 26,5 Grad Celsius. „Bis 29 Grad halten es die Korallen gerade so aus.“ Während eines heißen Sommers konnten die Brengelmanns die Korallen knapp retten: „Wir haben einen Ventilator eingeschaltet und einen Eisbeutel ins Wasser gelegt.“ Das kann dem Paar heute nicht mehr passieren: Timo Brengelmann hat 20 Lüfter, die für gewöhnlich einzeln in einem Computer-Tower zu finden sind, über dem Aquarium eingebaut. Bei Bedarf schalten sie sich automatisch ein.

Alle zwei Monate schicken die Brengelmanns eine Wasserprobe in ein Labor, um sie analysieren zu lassen. „Dann bekommen wir um die 80 Ergebnisse“, sagt Mandy Brengelmann. „Wenn die Tiere gefüttert werden, steigt zum Beispiel der Phosphatwert im Wasser.“ Die Brengelmanns können im Übrigen auch die Lichtverhältnisse in dem Aquarium steuern: Am Ende eines Tages setzt langsam die Dämmerung ein...

Verena Sieling
Verena Sieling Redaktion Wildeshausen
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