Wildeshausen - In Wildeshausen herrschte vor 100 Jahren zu Beginn des Ersten Weltkrieges eine gewisse Euphorie. Die damals rund 2000 Einwohner zählende Stadt wollte Garnisonsort werden. Der Bürger- und Geschichtsverein hat der NWZ historisches Bild- und Textmaterial zur Verfügung gestellt. Ein besonderes Augenmerk lag hierbei auf der Luftschiffhalle in Wildeshausen.
Diese wurde 1916 im Bereich Ahlhorner Straße und Bargloyer Weg von der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) für 1 048 834 Mark hergestellt und mit Hilfe zahlreicher Arbeiter in Wildeshausen aufgebaut. Auch kriegsgefangene Russen und Engländer arbeiteten an dem Bau, wie der Bürger- und Geschichtsverein mitteilt.
Doch die Hoffnung der Ratsmitglieder und des Bürgermeisters durch eine langjährige Bindung des Militärs zur Garnisonsstadt ausgebaut zu werden, erfüllte sich nicht. Nach dem ersten Kriegseinsatz des Luftschiffes ZL 98 in England stellte sich heraus, dass die Ausrichtung der Halle ungünstig war, da das Luftschiff bei seiner Rückkehr aufgrund starker Seitenwinde nicht in die Halle einfahren konnte. Somit wurde die Heeresluftschifffahrt in Wildeshausen aufgegeben und die Marine übernahm im September 1917 das Gelände bis zum Kriegsende.
Im Frühjahr 1919 wurde die Halle mit der Bedingung des sofortigen Abbruchs für 1 040 000 Mark von einigen Wildeshauser Kaufleuten erworben. Nicht überliefert ist, was aus der abgebauten Halle wurde.
Aber auch viele Leser reichten bereits Erinnerungsstücke von Verwandten und Bekannten ein, die an der Front gewesen waren bzw. einberufen wurden. So berichtete der Wildeshauser Hermann Visser (65), dass er aus dem Nachlass seines Großvaters vor über 50 Jahren zwei Bajonette (ein deutsches und ein französisches Seitengewehr) aufbewahrt habe. Sein Großvater Otto Schüngel (1889 geboren) war während des Ersten Weltkrieges im belgischen Ypern und Malmedy stationiert. „Ich weiß jedoch nicht, ob er die Bajonette selbst eingesetzt oder einfach gefunden hat“, sagt der Enkel.
Es war eine verheerende Waffe: Viele Menschen kamen im Kampf durch Bajonette (nach der französischen Stadt Bayonne benannt) ums Leben. Diese Stichwaffe wurde in Form eines langen Dorns oder einer Stahlklinge auf dem Gewehrlauf befestigt.
Viel erzählt habe ihm sein aus Hagen (Hohenlimburg/Westfalen) stammender Großvater nicht über die Kriegserlebnisse. „Doch er hat betont, wie schrecklich es war.“ Eines der beiden Bajonette hat eine vierkantige Klinge, die eher stumpf war und zu inneren Blutungen führte. „Wenn man mit so einer Waffen in Gefangenschaft geriet, war das gleichbedeutend mit dem Todesurteil“, ergänzt der Pensionär, der als Gasthörer an der Uni Oldenburg bald im dritten Semester Geschichtsvorlesungen verfolgt.
