Wüsting/Oldenburg - Kunst am Bau war früher eine feste Größe – ja, sogar gesetzlich geregelt. Inzwischen ist es eher selten und beschränkt sich auf jene, die mit der Ästhetik und Aussage eines Kunstwerk etwas Besonderes ausdrücken wollen.
Diesen Wunsch hatte die Inhaberfamilie des Oldenburger Schuhhauses Schütte an der Haarenstraße, die das Obergeschoss des Geschäfts auf 230 Quadratmetern komplett umgebaut und erneuert hat. Gemeinsam mit Architekt Prof. Dr. Volker Droste wurden Raumaussage mit bodentiefen Fenstern, maßgefertigten Möbeln, Holz- und Steinwänden nicht zuletzt auf das Kunstwerk abgestimmt, das die Wüstinger Künstlerin Insa Winkler geschaffen hat.
Sie arbeitet an der Schnittstelle zwischen Kultur und Natur im In- und Ausland. Dabei ist sie nicht auf ein Genre festgelegt, sondern entwickelt Skulpturen, zeigt Malerei und Landart gleichermaßen. Das 6,40 Meter mal 2,80 Meter große Kunstwerk für das Schuhhaus Schütte nennt sie „Rhizom“, die botanische Bezeichnung für ein Wurzelgeflecht oder auch Wurzelstock. Dafür hat sie mehr als 500 Kilogramm Baustahl erhitzt, gebogen, verknotet und weiter miteinander verwunden. „Es war eine tolle Aufgabe“, sagt Insa Winkler.
Die Wurzeln des Schuhhauses Schütte gehen zurück in das Jahr 1899 an die Alexanderstraße. Seit 1975 sind sie an der Haarenstraße, 1996 haben sie das Erdgeschoss umgebaut. Jetzt sei es an der Zeit für das Obergeschoss gewesen, sagt die Familie. Inzwischen wird das Unternehmen, das 65 Mitarbeiter beschäftigt, von den Seniorchefs Klaus und Helma Schütte gemeinsam mit ihren Kindern, den Juniorchefs Mark und Julia Schütte, geführt. Mit dem Kunstwerk, das ab 23. August zu sehen ist, wollten sie ihrem Anspruch Ausdruck verleihen.
Künstlerin Insa Winkler hat keine Berührungsängste. „Schuhe tragen uns täglich in unterschiedlichsten Richtungen. Wir kreuzen unsere Wege mehrmals oder gehen in eine bestimmte Richtung. Am Ende hinterlassen wir eine Struktur von Wegen, auf denen wir Erfahrungen gesammelt haben.“ Ganz im Sinne moderner Netzwerke sagt sie, Verknüpfungen eines organischen Geflechts, wie das der Rhizome, seien für sie Analogien für den Energiefluss zwischen Mensch und Natur.
