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Diabetes Kleiner Hund trainiert für große Aufgabe

Sandhatten/Ofenerdiek - Plötzlich wird das Wohnzimmer zum großen Hundespielplatz. „Lupus, such’ die Tasche“, muntert Ilka Martin den jungen Hunderüden auf. Schwanzwedelnd macht sich Lupus auf die Suche. Schnuppert an Kommode und Teppich, bis er auf einem niedrigen Regal den gesuchten Behälter findet. Er schnappt das an ein Brillenetui erinnernde Täschchen mit der Schnauze und trabt mit seiner Beute auf Frauchen zu.

Lebenswichtiges Spiel

Für Lupus ist es ein Spiel. Der zwölf Wochen alte Hund kann nicht ahnen, dass das Apportieren des Behälters für seine Menschen eines Tages lebenswichtige Bedeutung haben kann. Auch wenn Ilka Martin die Hauptbezugsperson von Lupus ist, wird der sich künftig vor allem um Julian kümmern. Julian (8), das älteste Kind der alleinerziehenden Oldenburgerin, ist Autist – und zuckerkrank. Das hat Konsequenzen: Anders als andere Diabetiker wird er vermutlich nie völlig selbstständig seine Blutwerte im Auge behalten und angemessen reagieren können.

Muss er auch nicht, dafür ist künftig Lupus da. Wenn der Vierbeiner weiter fleißig übt, wird er schon bald ein eingespieltes Team mit seinen Menschen bilden. Hunde haben ein unglaublich feines Näschen. Sie können sogar riechen, wenn im Innern des menschlichen Körpers der Blutzuckerspiegel sinkt. Noch bevor der Mensch selbst etwas davon spürt. Für Diabetiker eine potenziell lebensbedrohende Situation, weiß Hundetrainerin Michaela Ristau. Aus eigenem Erleben. Die in Sandhatten lebende 40-Jährige ist seit 17 Jahren selber Diabetikerin (Typ 1) und trägt eine Insulinpumpe.

Die zertifizierte Hundeerzieherin und Verhaltensberaterin bildet Diabetes-Anzeigehunde aus. Was die Hunde gemeinsam mit ihren Besitzern unter den wachsamen Augen Michaela Ristaus lernen, ist das richtige Verhalten. Die Vierbeiner sollen Signal geben, wenn sie Veränderungen im Geruch der Menschen wahrnehmen. Bellen, Stupsen, Pfoteauflegen oder Lecken – alle Verhaltensweisen, die der Hund im Alltag sonst eher selten zeigt, eignen sich, damit er zum Frühwarnsystem auf vier Beinen wird. Auf Kommando soll er dann die kleine Medi-Box bringen, in der Diabetiker Traubenzucker, ein Blutzuckermessgerät und Insulindosierungen aufbewahren.

Gefährliche Blutwerte

Zu Beginn ist es wichtig, dass Familie Martin und Lupus täglich gemeinsam lernen. Medi-Box bringen, Saft holen, Notfallknopf drücken und andere Aktionen, die später wie Buchstaben zu einem Wort zu einer sinnvollen Verhaltenskette zusammengesetzt werden. Dafür besucht die Sandhatter Hundetrainerin ihre Klienten zu Hause, beobachtet das Verhalten von Mensch und Tier und gibt immer wieder Tipps.


Mit Kleidungsstücken, die Julian bei extremen Blutzuckerwerten – vor allem Unterzuckerung kann schnell lebensbedrohlich werden – getragen hat, übt Lupus das richtige Verhalten. „Lupus legt sich bei Julian gern auf die Beine, ganz ruhig, fast schon bewachend“, schildert Ilka Martin die Eindrücke der ersten Wochen. „Bei Julians Schwester Ronja will er dagegen immer nur toben.“

Michaela Ristau weiß, dass der junge Labrador eine besonders anspruchsvolle Aufgabe meistern muss. „Lupus muss den Spagat hinbekommen, mit Julian zu arbeiten, obwohl es Frauchen ist, die sein Chef ist“, sagt sie. Helfen soll dabei das Füttern. Einmal am Tag bekommt Lupus sein Futter aus Julians Hand gereicht.

Bis zu einem Alter von 16 Wochen ist der Lernerfolg bei Hunden am größten, weil sich in dieser Zeit ihre Hirnstrukturen ausbilden, verrät die Hundetrainerin. Autofahren, Busfahren, Zugfahren – alle Fortbewegungsarten, die Julian in seinem weiteren Leben nutzen wird, muss sein vierbeiniger Begleiter jetzt schon mal kennenlernen. „Gehen Sie mit Lupus einfach mal in den Bahnhof und fahren Sie ein oder zwei Stationen“, rät Michaela Ristau Ilka Martin. Auch in die Turnhalle und auf den Spielplatz wird der junge Labrador Julian ab sofort begleiten. Eine Kenndecke mit der Aufschrift „Assistenzhund in Ausbildung“ soll bei Mitmenschen für Verständnis sorgen.

Julian und Lupus, der Junge und der Labrador, haben die ersten entscheidenden Schritte vor sich. Wenn alles klappt, sind sie auf dem Weg zu einem eingespielten Team.

Werner Fademrecht
Werner Fademrecht Redaktion Hatten
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