FRAGE: Welches Themenspektrum haben Sie bei der Tagung diskutiert?

ROTTMANN-MEYER: Es ging um die Frage, welche Pflanzen heute überhaupt als Energiespender zur Verfügung stehen und welcher Handlungsbedarf besteht. So nimmt beispielsweise der Mais, der derzeit beste Energieträger, in einigen Gebieten Niedersachsens schon mehr als 60 Prozent der Fruchtfolge auf den Feldern ein. Andere Pflanzen könnten ihn ergänzen – zum Beispiel die Zuckerrübe oder bisher wenig bekannte Kulturen wie die Durchwachsene Silphie. Da ist aber noch Forschungs- und Zuchtarbeit notwendig. Erste positive Praxisergebnisse zeigen, dass die Biogasrübe sich mittelfristig weiter etablieren wird.

FRAGE: Was bedeutet das?

ROTTMANN-MEYER: Wenn wir hier Anbauflächen verknappen, werden andere Länder bisher nicht genutzte Flächen urbar machen oder Anbausysteme ändern. Das gilt nicht nur für den zunehmenden Biomasseanbau, beispielsweise bei Palmöl, sondern auch für Reis-, Kaffee- oder Zuckerrohrplantagen. Die entsprechenden Plantagen werden stärker erweitert – auch zu Lasten von Land, das man eher im ursprünglichen Zustand lassen möchte. Ein Landeigentümer wird sich immer für die wirtschaftlichste Lösung entscheiden. So arbeiten wir in Europa, und wir können es anderen Ländern nicht vorwerfen, dass sie ebenso handeln.

FRAGE: Also ist es nur eine Frage der Wirtschaftlichkeit?


ROTTMANN-MEYER: Wirtschaftlichkeit durch nachhaltige Konzepte zu erreichen ist möglich. Künftig wird es immer wichtiger, nicht mehr so verschwenderisch mit Rohstoffen umzugehen. Wir müssen sie zielgerichteter einsetzen und auch Reststoffe mit einbinden.

FRAGE: Wurden auch ethische Aspekte diskutiert?

ROTTMANN-MEYER: Welche Konsequenzen die veränderten Flächennutzung weltweit hat, greift die „Tank und Teller“-Diskussion auf. Dieser Aspekt ist für die Bewertung des Potenzials der Energiepflanzen wichtig. Es stehen nicht unbegrenzt Anbauflächen zur Verfügung, und der größte Teil wird weiter für Ernährung und Futter genutzt.

Marie-Luise Rottmann-Meyer ist Geschäftsleiterin des „3N Kompetenzzentrum – Niedersachsen Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe“. Auf immer mehr landwirtschaftlicher Fläche wachsen Energiepflanzen. Über die resultierenden Probleme diskutierten Experten in Papenburg.

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