Ganderkesee/Delmenhorst - „Durchwachsen.“ – Mit diesem Wort fasste Hartmut Günnemann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land, seine Bilanz nach dem „Tag des offenen Handwerks“ zusammen. Nach ersten Rückmeldungen seien am Sonnabend zwischen null und zehn junge Leute zum Schnuppern in die Betriebe gekommen. Hochgerechnet auf alle knapp 60 teilnehmenden Unternehmen im Bereich der Kreishandwerkerschaft seien es wohl 150 bis 160 Schüler gewesen. Was Günnemann erfreulich fand: „Viele kamen in Begleitung ihrer Eltern. Das war unser Ziel.“
Mit der Aktion reagiert das Handwerk auf einen Trend, der seit Jahren zu spüren sei: Bedingt durch die demografische Entwicklung und verstärkt dadurch, dass ein steigender Anteil der Jugendlichen andere Ausbildungswege einschlägt, sinkt die Zahl der Bewerber auf Ausbildungsplätze im Handwerk. Vor diesem Hintergrund sei es wichtig, jungen Menschen zu verdeutlichen, dass Handwerker „immer mehr die gefragten Spezialisten“ seien, sagte Günnemann.
Auch in der Gemeinde Ganderkesee, wo sich 17 Betriebe beteiligten, war das Echo unterschiedlich. Während zum Beispiel bei Harald Meyer Brandschutz/Elektro die Gastgeber Däumchen drehten, waren in der Tischlerei Reisch schon früh die Termine mit zwei Schülern für Praktika festgezurrt. In beiden Unternehmen standen Auszubildende bereit, um Informationen aus erster Hand zu geben.
„Früher kamen die Auszubildenden von selber, heute müssen wir aktiv sein“, schilderte Firmenchef Harald Meyer seine Linie. Viermal im Jahr besuchen Mitarbeiter seines Unternehmens Schulen, um Ausbildungswege aufzuzeigen. Wichtig sei, die Eltern mit einzubeziehen. „20 Bewerbungen“ lägen derzeit für 2014 vor, sieben Ausbildungsplätze würden vergeben – davon allein vier für Elektroniker Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik.
Auch bei der Tischlerei Reisch habe es bislang ausreichend Bewerbungen gegeben, im Schnitt etwa sechs bis sieben pro Jahr, berichtete Tischlermeister Heiko Timmermann. Hier wird jährlich ein Ausbildungsplatz vergeben.
Und die Zukunft? „Wohin der Hase läuft, ist für mich offen“, sagte Sabine Kämena, Inhaberin von Müllers Wurstdiele (das Heider Unternehmen bildet Fleischer und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk aus). Auch hier habe man die Ausbildungsplätze bislang besetzen können, im Verkauf gestalte sich das aber tendenziell schwieriger. Wichtig sei für ein Unternehmen, gegebenenfalls auch selbst offen für andere Lösungen zu sein. Vielleicht werde es in ferner Zukunft kaum mehr Bedienung geben.
Übrigens: Bei den Firmen ist umstritten, ob der „Tag des offenen Handwerks“ für die Betriebe etwas bringt. Hingegen wurde ein Begriff immer wieder genannt: Schulpraktikum. Das sei bei der Nachwuchssuche „der Schlüssel“, betonte zum Beispiel Heinz-Georg Wührdemann (Autohaus Wührdemann).
