Oldenburg - Niedersachsens Kultusminister bewies Fingerspitzengefühl bei einer schwierigen Operation. Am Stand des Klinikums Oldenburg auf der Jugendmesse Messe „job4u“ betätigte Bernd Althusmann (CDU) sich an einer „laparoskopischen Organfasszange“ und simulierte – am Bildschirm zu verfolgen – eine Blinddarmoperation. Ergebnis des Eingriffs: In Anwesenheit von Oldenburgs IHK-Präsident Gert Stuke und Geschäftsführer Thomas Hildebrandt wurde ein Gummibärchen zutage gefördert. Beifall dazu gab’s auch von den Auszubildenden Marina Winter (24) und Paul Klassen (19), die als angehende Operationstechnische Assistenten mit solchen Geräten täglich zu tun haben: „Gut gemacht!“

Infos aus erster Hand von Auszubildenden – das steht auch 2012 im Mittelpunkt der „job4u“. Rund 5000 Besucher, ganze Schulklassen, kamen schon am ersten Tag. Die Ausbildungsmesse wird an diesem Sonnabend fortgesetzt (10 bis 17 Uhr, Weser-Ems-Halle, Eingang über EWE-Arena).

Wer will, kann sich schon am Eingang von „Scouts“ – einer Spezialität dieser Messe – auf den richtigen Weg bringen lassen. Die angehenden „Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen“ Joleen Harfst (20), Sarah Schidlowski (20) und Nina Fleißner (22) etwa fragen ankommende Jugendliche, welche Vorstellungen sie für ihren Messerundgang haben, welche Branchen und Fragen sie interessieren.

Die Auswahl ist groß. „Jugendliche haben heutzutage die Riesenchance, genau den Ausbildungsberuf zu finden, der ihnen liegt“, sagte IHK-Präsident Gert Stuke zum Messestart. Die 120 Aussteller seien allesamt „Unternehmen mit Zukunft“.

Das ganze Oldenburger Land und verschiedenste Branchen sind vertreten. Darunter sind Ökohändler wie Kornkraft, Chemie-Labors wie die Lufa, das Jagdgeschwader aus Wittmund oder auch die NWZ  mit Ausbildungsleiterin Doreen Jess und ihrem Auszubildenden-Team. „Wir haben viele interessante Berufe im Mediensektor“, sagt sie.


Starkes Interesse auch wenige Meter weiter beim Flugzeugbau-Zulieferer Premium Aerotec. „Wir versuchen, den anderen Jugendlichen zu zeigen, wie interessant es bei uns ist“, erläutern der 18-jährige Eike Oltmanns aus Varel (angehender Industriemechaniker) und seine Nordenhamer Kollegen Nico Philipp (Verfahrensmechaniker/17) und Philipp Wittje (Fluggerätemechaniker/17). Dazu haben sie typische Werkzeuge, auch Drehbänke, mit in die Weser-Ems-Halle gebracht. Nico als angehender Verfahrensmechaniker hat in der Ausbildung auch bereits mit CFK-Werkstoffen zu tun. „Das ist die Zukunft im Flugzeugbau“, schwärmt er davon, bei dem Technologiewandel dabei zu sein.

Viele Schüler sind auffallend aufmerksam, mit Fragebogen unterwegs (wie von der Oldenburger BBS Haarentor) und auch inhaltlich gut vorbereitet. Dazu tragen engagierte Lehrer wie Volker Westerkamp von der Waldschule Sandkrug bei. Der Realschullehrer hat schon im Vorfeld mit dem Oldenburger Möbelhändler Poco gezielt einen Termin für seine Hauptschüler abgesprochen. „Berufsorientierung ist ein wichtiges Thema für meine 9. Klasse“, sagt er. Es müsse darum gehen, den Jugendlichen gezielt Berufe vorzustellen, in denen sie dann auch echte Chancen hätten. Dazu zähle etwa die Fachkraft für Lagerlogistik. Interessiert hören die Schüler, bequem auf einem Sofa der Möbelfirma, den Ausführungen von Florian Rahmann zu.

Genau so hat sich die federführende IHK das im Optimalfall gedacht. Bei der „job4u“ kämen „die richtigen Leute am richtigen Platz“ zusammen, sagt Aus- und Weiterbildungs-Geschäftsführer Hildebrandt. Man freue sich, dass die Messe so etabliert sei.

Auch die Arbeitsagentur Oldenburg ist vertreten. „Wer jetzt noch schnell einen Ausbildungsplatz sucht oder schon für 2013, ist bei uns richtig, auch für Beratung“, sagen die Teamleiter Holger Conrad (Beratung) und Christian Berndt (Arbeitgeber-Service). Sie fänden gern mehr Interessenten für technische oder naturwissenschaftliche Berufe.

Auch am Stand von Vet- Pharma (Friesoythe) versucht man, Jugendliche zu begeistern. Alles dreht sich um Berufe wie Pharmakant/in oder Chemielaborantin/in. Wichtig sei, dass Eltern, Lehrer und andere mit den jungen Leuten diskutieren, die Orientierung begleiten und auch Normen, die im Beruf wichtig sind, beeinflussen, findet Sonja Reichert aus der Personalleitung.

Orientierung der Jugendlichen – das gelingt auf der „job4u“ offenbar. „Die Messe ist eine fantastische Möglichkeit für die Jugendlichen in der Region, sich über mögliche Berufe zu informieren“, findet Kultusminister Althusmann nach Abschluss seiner simulierten Gummibärchen- Operation am Klinikum Oldenburg. Und dann hat auch er sich orientiert und konstatiert begeistert: „In dieser Klinik wurde ich ja geboren!“