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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Malerische Gewinne mit Stiften

05.04.2016
NWZonline.de NWZonline 2016-04-05T05:01:01Z 280 158

Neuer Trend:
Malerische Gewinne mit Stiften

Nürnberg Ausmalbücher für Erwachsene erobern die Bestsellerlisten weltweit – und lassen die Maschinen der Stiftehersteller in Deutschland heiß laufen. Die größtenteils in Mittelfranken ansässigen Firmen fahren derzeit allesamt Sonderschichten und freuen sich über den unverhofften Boom. „Wir merken das bei klassischen Schreibgeräten und Künstlerprodukten“, sagt eine Sprecherin des Stifteherstellers Staedtler in Nürnberg.

Die Käufer seien weniger Hobbykünstler, sondern eher absolute Mal- und Zeichenanfänger, die ihre Kunstwerke anschließend auch gern im Internet auf Instagram zeigen. Beim Ausmalen vorgegebener Muster in entsprechenden Büchern, die sich weltweit derzeit millionenfach verkaufen, sei die Frustrationsrate gering, erklärt die Sprecherin. „Die Leute fangen nicht auf einem weißen Blatt Papier an und das Ergebnis ist immer schön, sie können es nicht verhunzen.“

Das schnelle Erfolgserlebnis wertet man bei Staedtler mit als Grund dafür, dass nun auch „Normalos“ das Malen für sich entdecken – und die Nachfrage nach Stiften enorm in die Höhe schnellen lassen. Beim Ausmalen der Motive komme außerdem der Geist zur Ruhe – so Experten. Der Vorteil beim Ausmalen liege darin, dass man sich ablenke und zerstreue und deshalb möglicherweise keine unangenehmen inneren Bilder aufsteigen.

Der Hersteller Schwan-Stabilo aus Heroldsberg nahe Nürnberg hat den Trend frühzeitig erkannt und erfolgreich vermarktet. Bereits im vergangenen Oktober präsentierte das Unternehmen am Rande der Bilanzveröffentlichung stolz eine geschickte Kooperation mit dem Buchverlag Ars-Edition: Zum Ausmalbuch „Kreative Auszeit“ für Erwachsene gibt es 15 Filzstifte gleich im Set dazu. Das Segment Malen und Zeichnen entwickelt sich bei Stabilo (Umsatz 2014/15: 170 Millionen Euro) nach eigenen Angaben derzeit „überdurchschnittlich“. Bei Staedtler und Lyra gibt es Pläne, die Produktion auszuweiten, um den Bedarf zu decken.

Der Buntstift-Ansturm kommt für die Branche recht unverhofft. Die Hersteller beschäftigen sich seit Jahren mit den Herausforderungen der zunehmenden Digitalisierung: Wenn immer weniger Menschen mit der Hand schreiben, werden dafür auch weniger Stifte benötigt. Deshalb wurde zuletzt vermehrt auch an digitalen Produkten getüftelt. Stabilo präsentierte etwa den Prototypen eines digitalen Stifts, der Handschrift auf Papier direkt in Reinschrift auf Smartphones oder Tablets umwandelt. Ein Digitalkuli von Staedtler speichert handschriftliche Skizzen und wandelt sie in Bilddateien für Digitalgeräte um. Dazu kommen Schreib-Lern-Apps.

Doch die klassischen Buntstifte sind keinesfalls abgeschrieben: „Wahrscheinlich wollen die Menschen jetzt eine Gegenbewegung zur Digitalisierung und auch selbst mit den eigenen Händen etwas schaffen“, mutmaßt man bei Staedtler.