MANSIE - Groß ist immer die Neugier der „Alteingesessenen“ von nebenan, wenn neue Nachbarn ihre Räumlichkeiten beziehen. Entsprechend groß war auch der Auflauf am Dienstag bei der offiziellen Eröffnung der Wohnstätte Mansie, in der künftig junge, autistisch veranlagte Erwachsene ein Zuhause finden werden.

Die Einrichtung wird die kleinste der Gemeinnützigen Gesellschaft für Paritätische Sozialarbeit (GPS) aus Wilhelmshaven sein. Insgesamt 25 Mitarbeiter vom Pfleger bis zum Erzieher werden sich fortan rund um die Uhr um 16 behinderte Menschen kümmern, die jeweils ein Einzelzimmer in einem der beiden Trakte des Gebäudes bewohnen werden. Ebenfalls vorhanden: ein gesicherter Gartenbereich und große Gemeinschaftsräume, die zum Begegnen dienen sollen.

Die Inneneinrichtung wirkt indes eher schlicht und karg. Aus gutem Grund, wie GPS-Geschäftsführer Manfred Pfaus erklärt: „Wir wollen den Bewohnern in ihrem Sinne vor allem ein sicheres und stabiles Gebäude sowie eine möglichst reizarme Umgebung bieten.“ In dieser sollen die jungen Menschen einen „größtmöglichen Grad an Eigenständigkeit“ erlernen, wie er weiter ausführte.

Neben etlichen Einwohnern von Mansie, die gekommen waren, um sich ein Bild davon zu machen, wie ihre künftigen Nachbarn wohnen werden, waren einige Ehrengäste anwesend. So auch Landrat Jörg Bensberg, der an die anfänglichen Schwierigkeiten des Bauprojekts erinnerte, das erst mit erheblichen Verzögerungen hatte starten können. „Der Antrag auf Fördergelder hat sehr lange beim Land Niedersachsen gelegen. Viel zu lange“, bemängelte er.

Mit der Einrichtung verbindet Bensberg auch eine generelle Hoffnung. „Es wäre schön, wenn ein Wandel in der Gesellschaft einsetzen würde, damit bald keine Verständnislosigkeit für behinderte Mitmenschen mehr herrscht und wir endlich erkennen, dass diese zu uns gehören.“


Westerstedes Bürgermeister Klaus Groß wünschte dem Personal „Einsatzbereitschaft, Ausdauer und Erfolg“ für ihre Aufgabe und den Bewohnern, dass sie ihre Wohn- und Freizeitinteressen möglichst selbst bestimmen können. Stellvertretend für den Verein „Autismus Nordwest“ übergab Hartmut Schwarz an Wohnstätten-Leiter Jürgen Dannemann einen sogenannten Time-Timer, mit dem sich Zeitrahmen abstecken lassen. Ein nützliches Hilfsmittel für Betreute – aber auch die Betreuer, so Schwarz.

Ein Grußwort sprach auch Ingrid Meiners vom Ortsbürgerverein Mansie-Lindern. „Uns liegt sehr am Herzen, dass die traditionell gute Nachbarschaft hier im Dorf fortgesetzt wird“, sagte sie voller Zuversicht.

ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die in den ersten drei Lebensjahren beginnt. Drei wesentliche Symptome werden dann deutlich: Schwierigkeiten im sozialen Umgang, Probleme mit der Kommunikation und sich stets wiederholende Handlungen.

Betroffene von diesem sogenannten frühkindlichen Autismus weisen meist einen Entwicklungsrückstand in Sprache oder kognitiver Entwicklung auf. Auch psychomotorische Auffälligkeiten sind häufig.