Bornhorst - Der Marderhund ist auf dem Vormarsch. Und nicht nur das, auch der Waschbär breitet sich immer weiter aus. Der Marderhund wurde von einem Jäger in Nähe der Bornhorster Seen in einer Falle gefangen, der Waschbär im Nordosten der Stadt erlegt, teilt der Hegering Oldenburg Nord der städtischen Jägerschaft mit.

„Für Menschen stellt der Marderhund keine Bedrohung dar“, weiß Fachdienstleiter Robert Sprenger vom städtischen Umweltamt. Gleichwohl gilt er als Fressfeind vieler Tiere und besetzt damit gemeinsam mit zum Beispiel dem Fuchs eine breite Nische.

Der Marderhund zeichnet sich durch seine außergewöhnlich hohe Vermehrungsrate aus, die in erster Linie von den jeweiligen klimatischen Bedingungen abhängig ist. Aus durchschnittlich fünf bis sieben Welpen, in Einzelfällen bis zu 16 Welpen, kann ein Wurf bestehen, weiß Jan-Gerd Meyer von der Jägerschaft Oldenburg, der sich auf den Landesjagdbericht 2011/2012 der Landesjägerschaft Niedersachsen und die Fachzeitschrift Niedersächsischer Jäger 2014 bezieht. Ein weiterer entscheidender Faktor für die Ausbreitung dieser Wildart sei die schnelle Abwanderung der Jungtiere in alle Himmelsrichtungen. Einzelne Jungtiere wanderten bis zu 40 Kilometer ab, um dann eine eigene Familie zu gründen. Es fehlten natürliche Feinde wie Luchs oder Wolf. Die Wildart sei überwiegend nachtaktiv.

Ein Enok, wie der Marderhund auch genannt wird, kann beträchtliche Fettreserven (bis zu fünf Zentimeter Dicke) anlegen und davon in Notzeiten leben. Der Marderhund hat sich von Sibirien in Richtung Westen ausgebreitet und nun Oldenburg erreicht. Etwaige Nahrungsengpässe im Winter können durch eine Winterruhe überbrückt werden. Da sich beide Elterntiere an der Jungenaufzucht beteiligen, sind sie im Vergleich zu anderem Raubwild im Vorteil.

In Deutschland gibt es zur Zeit eine Diskussion darüber, dass bestehende Ökosysteme durch die Anwesenheit des Marderhundes aus dem Gleichgewicht gebracht werden können. Der Marderhund frisst Frösche, Kröten und andere Amphibien, Eier sowie Jungtiere von Bodenbrütern aber auch Aas. Die Bornhorster Wiesen sind für ihn ein ideales Jagdrevier.


Im vergangenen Jahr wurden dem Landesjagdbericht zufolge in Niedersachsen 957 Marderhunde erlegt, vorwiegend in den östlichen Landesteilen. Dies sind etwa 40 Prozent mehr als 2007.

Auch der im Nordosten der Stadt erlegte Waschbär ist ein nachtaktiver Räuber. Beheimatet war die Gattung ursprünglich in Nordamerika, ist aber Mitte des vergangenen Jahrhunderts aus Tiergehegen in Westeuropa ausgebrochen und verbreitet sich seitdem über den Kontinent. Waschbären fressen alles. Sie ernähren sich zu etwa 40 Prozent von Pflanzen, zu 33 Prozent von Weichtieren und zu 27 Prozent von Wirbeltieren.

Thomas Husmann
Thomas Husmann Redaktion Oldenburg