Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben“, war ein Hit in den 60er Jahren. Ich finde es gut, dass Rainer Dietrich (65) nicht in seiner Heimatstadt Düsseldorf geblieben ist, denn sonst hätte ich diesen interessanten Menschen mit seiner schier unerschöpflichen Ideenvielfalt wohl nie kennengelernt.
In eher bescheidenen Verhältnissen ist er in Düsseldorf aufgewachsen. „Eine Badewanne und ein Zimmer für mich alleine, das gab es nicht.“ Gegenüber seines Elternhauses wohnte ein gewisser Heinz-Georg Kramm, heute bekannt als Schlagersänger Heino, und auch Marius Müller-Westernhagen wohnte in derselben Straße.
„In den bunten 60er Jahren“, wie Rainer Dietrich sie bezeichnet, entwickelte sich in der Düsseldorfer Altstadt eine moderne Künstlerbewegung. Dieses faszinierte ihn, und immer wieder zog es ihn zu den Künstlern, die sich über sein Interesse freuten. Unter den damals unbekannten Künstlern, mit denen er ständigen Kontakt hatte und auch zusammen malte, waren unter anderem Jörg Immendorf oder Joseph Beuys.
Die ständige Verbindung mit den Künstlern gefiel seinem Vater August Dietrich überhaupt nicht. Sein einziger Sohn sollte wie er Elektromeister werden. Rainer Dietrich setzte sich gegenüber dem Vater durch, so dass er nach seinem Abitur erst einmal in Essen Grafik-Design studieren durfte. In seiner freien Zeit musste er allerdings dem Vater helfen.
Eine Baustelle war unter anderem ein Jugendzentrum, kurz vor der Fertigstellung. Dort fragte Rainer Dietrich so aus Spaß: „Und wo sitze ich?“ „Hier auf dem Stuhl des Chefs, denn der ist noch nicht besetzt“, bekam er zur Antwort. Aus dem harmlosen Spaß wurde Ernst: Parallel zum Studium leitete er mehrere Jahre dieses Jugendzentrum, wo er kriminelle Jugendliche zurück auf den rechten Pfad bringen sollte.
Trotz dieser zusätzlichen Beschäftigung, konnte er sein Studium von fünf auf vier Jahre verkürzen. Sein Vater wollte immer noch, dass sein Sohn, jetzt Diplom-Grafiker, seine Nachfolge übernehmen sollte. Rainer Dietrich dachte nicht daran und studierte nun Psychologie, Erwachsenenbildung und Marketing.
„Als ich damit nach sechs Jahren durch war, waren alle guten Jobs weg.“ Durch Zufall lernte er einen Arzt kennen und gründete mit ihm ein Weiterbildungsinstitut in Mohnheim für die Pharma-Branche und bildete viele Pharma-Referenten aus.
Eine dieser Pharma-Referenten war seine spätere Ehefrau, die blonde Inge aus Ostfriesland. Aus Liebe zu ihr gab Rainer seinen Job auf und zog mit ihr nach Westrhauderfehn. Hier machte er sich als Berater, Referent und Dozent im Bereich Werbe-Psychologie selbstständig. Nach einem Jahr hatte er genug von Ostfriesland. „Das war ja nichts. Nicht einmal Bäume gibt es dort“, erinnert er sich.
Es folgten fünf Jahre Oyten, bevor das Ehepaar Dietrich und seine drei Töchter vor fast genau 23 Jahren ein Eigenheim in Ganderkesee bezogen. „Hier hast Du deinen geliebten Wald, bist dicht an der Autobahn, und hier gibt es Schulen für unsere Kinder“, machte Inge ihrem Mann Ganderkesee schmackhaft.
Ganderkesee ist zwar nicht Düsseldorf, aber trotzdem fühlt er sich hier sehr wohl. Bis heute hat er viele Menschen, darunter Pfarrer und Politiker auf Marketing getrimmt.
Vor zwei Jahren hat Rainer Dietrich den „Coaching-Stammtisch Delmenhorst“ gegründet. Dieses ist eine monatliche Gesprächsrunde, wo interessante Themen aus dem Alltag diskutiert werden. Nach dem Motto „Bilder sagen mehr als 1000 Worte“, hat Rainer Dietrich zu gewissen Themen Bilder gezeichnet, um einiges anschaulich zu verdeutlichen.
Malen ist für das Ehepaar Dietrich eine gemeinsame Leidenschaft. Auf einigen Bildern ist immer wieder das Wahrzeichen von Ganderkesee, der Ganter, zu sehen. Hier erfahre ich von seinem neuesten Projekt: „Ganter-Gans anders…“. Ich bin beeindruckt von seiner Ideenvielfalt und bin schon ganz gespannt, was ihm als Nächstes wohl einfällt.
Rainer Dietrich, Diplom-Grafiker, Marketing-Fachmann und Gründer eines Coaching-Stammtisches
