Nahrungsmittel werden heute in einer vertikalen Kette produziert. Verkürzt lässt sich das so darstellen: Die Kartoffeln wachsen im Acker des Bauern, der sie an einen Verarbeitungsbetrieb verkauft, hier werden sie zu Pommes Frites oder Chips veredelt und weitergereicht an den Lebensmitteleinzelhandel. An dessen Regalen schlägt die Stunde des Verbrauchers, der aus einer Vielzahl qualitativ hochwertiger und preisgünstiger Produkte wählen kann.

Diese Stafette vom Erzeuger bis zum Verbraucher kann nur dann funktionieren, wenn alle Beteiligten zufrieden und gleichberechtigt sind. Dieses Miteinander auf gleicher Augenhöhe besteht in der Kette der Lebensmittelproduktion aber seit geraumer Zeit nicht mehr. Eine Handvoll Handelsriesen gibt den Takt vor, und die Landwirte müssen feststellen, dass sie als gleichberechtigte Partner kaum noch wahrgenommen werden.

Ich will hier nicht die Strukturen des Lebensmitteleinzelhandels kritisieren, denn Konzentration muss nicht automatisch etwas Schlechtes sein. Wenn sich die wenigen Großen ihrer Verantwortung bewusst sind und fair agieren, kann das alle Partner der Kette nach vorne bringen. Größe ist unabdingbar, um zum Beispiel internationale Märkte zu bedienen.

Doch zurzeit befinden sich Geben und Nehmen in einem krassen Missverhältnis. Einerseits diktiert der Handel die Bedingungen, wie die Landwirte zu produzieren haben, andererseits bleibt er in seinen Zusagen, die Erzeugnisse auch abzunehmen, eher unverbindlich. Es herrscht ein Ungleichgewicht der Möglichkeiten: Die Landwirte legen sich mit einer einmal definierten Produktionsweise langfristig fest, bleiben aber nach Ablauf meist kurzfristiger Kontrakte austauschbar und im schlechtesten Fall auf ihren Produkten sitzen.

Die Landwirte kommen den Forderungen des Handels gerne nach. Sie erwarten dann aber auch Verlässlichkeit, indem die vehement geforderten Produkte auch zu gerechten Preisen abgenommen werden. Es geht nicht an, dass sie das Gewünschte zu hohen Kosten produzieren, der Handel sich aber anderweitig mit billiger Ware weit unter den hiesigen Standards eindeckt. In diesem Moment wird Marktmacht zu Marktgewalt.


Es geht aber auch anders, das beweisen die Landwirte in ihren eigenen Reihen, zum Beispiel bei der Geflügelproduktion: Der gesamte Bereich ist ähnlich aufgebaut, doch in dieser vertikalen Kette geht man partnerschaftlich miteinander um. Hier sorgt jeder dafür, dass der andere mitkommt. Hier hat man erkannt: Wir sind alle – wenn auch unterschiedlich intensiv – voneinander abhängig.

Autor des Beitrags ist Johann Arendt Meyer zu Wehdel, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.