Rodenkirchen - Walter Lübben hat am 23. September Geburtstag. Dieser Tag ist jedes Jahr einer der vier Rodenkircher Markttage. Dass das ein Omen sein könnte, war dem gebürtigen Nordenhamer in den ersten 34 Jahren seines Lebens nicht klar. Doch seit 30 Jahren ist er an diesem Tag immer beruflich voll eingespannt: als Marktmeister. In diesem Jahr zum letzten Mal.
Denn Walter Lübben wird 65 und geht Ende November in den Ruhestand. Nicht einen Tag zu früh. „Eigentlich hätte ich schon Ende September ohne Abzüge in Rente gehen können“, sagt Lübben. „Aber ich will diesen Markt noch abarbeiten.“
Der Rodenkircher Markt hat Walter Lübben sein Leben lang begleitet. Als er ein kleiner Junge war, warteten immer drei Sonderzüge auf den Gleisen des Nordenhamer Bahnhofs. Wenn ein Zug voll war, fuhr er los. So fuhr auch Walter Lübben jedes Jahr an seinem Geburtstag zum Rodenkircher Markt.
Installateur gelernt
Er wuchs in Atens als Sohn eines Schuhmachermeisters auf, und deshalb war es kein Wunder, dass er selbst auch Handwerker wurde: Von 1964 bis 1967 wurde Walter Lübben bei Heinrich Duhm zum Klempner, Installateur und Gasheizungsbauer ausgebildet. „Diese handwerkliche Ausbildung kommt mir heute noch zugute“, sagt er.
Dennoch orientierte er sich nach der Lehre um und verpflichtete sich 1968 für acht Jahre beim damaligen Bundesgrenzschutz, der heutigen Bundespolizei. In Winsen an der Luhe schloss er seine Ausbildung als Polizeimeister ab, erwarb die Mittlere Reife und einen Fachoberschul-Abschluss.
Danach kam die dritte Ausbildung. 1976 – Lübben war schon mit seiner Frau Christa verheiratet – wurde er Auszubildender beim Landkreis Harburg in der Kreisstadt Winsen/Luhe, später dann Inspektor. Doch obwohl die Familie schon ein Haus gebaut hatte, ließ sie das Heimweh nicht los. An einem Sonntag im Jahr 1982 rief Lübben den heutigen Nordenhamer Bürgermeister Hans Francksen zu Hause an. Francksen arbeitete damals im Personalamt der Stadt. Tatsächlich hatte er einen Job für ihn: Die Gemeinde Stadland suchte den neuen Leiter des Ordnungs- und Sozialamtes.
Haus gekauft
Lübben wurde genommen und begann seine Tätigkeit am 1. November. Dass er auch für den Rodenkircher Markt zuständig ist, fiel ihm erst nach einigen Wochen auf.
Sie kauften ein Haus in Blexen, dicht bei den Schwiegereltern, wo sie mit ihren Kindern Meike, Sonja und Carsten lebten. 1985 zogen sie nach Rodenkirchen, wo sie zunächst zur Miete wohnten. 1995 kauften sie ihr Haus an der Dr.-Richard-Heye-Straße.
Walter Lübben brachte durch verstärkte Werbung den etwas lahmenden Markt wieder in Schwung. „Diese Arbeit entspricht meinem Naturell“, sagt er. In seiner Freizeit ist er oft auf anderen Märkten, um sich nach neuen Knüllern für Rodenkirchen umzusehen.
Wer sich mit Walter Lübben unterhält, dem fällt schnell auf, dass er neben dem Markt noch ein anderes berufliches Steckenpferd hat: die Kinderbetreuung. Als die geburtenstarken Jahrgänge ihren Nachwuchs bekamen, reichte der Platz im Kindergarten Rodenkirchen nicht mehr aus. 1991 fand dort eine Elternversammlung statt.
Abhilfe tat not, aber Geld war nicht da, weil erstens das Kernkraftwerk plötzlich weniger Gewerbesteuern bezahlte und zweitens Gemeindedirektor Werner Schilo gerade an einer Tennishalle plante. Lübben hält sich zugute, dass er dazu beigetragen hat, dass die Tennishalle nie gebaut wurde, wohl aber der Kindergarten Kleinensiel, für den er Zuschüsse organisierte.
Wenig später, 1992/93, folgte der neue Kindergarten an der alten Turnhalle Schwei, 1996 Seefeld und 1997 der zweite Rodenkircher Kindergarten An den Buchen. 2009 richtete die Gemeinde in der Grundschule Rodenkirchen einen Hort ein.
Seit einigen Wochen ist der ehemalige Kindergarten An den Buchen die erste komplett eigenständige Krippe der Gemeinde Stadland. Auch darauf ist Walter Lübben stolz.
