Oldenburg - Die Welt trifft sich in einer Maschinenbauhalle in Ofenerdiek: Über 400 Menschen von allen fünf Kontinenten besuchten in dieser Woche die Hausmesse des Flechtmaschinenbauers Herzog in Ofenerdiek. „Wir stemmen diese Messe alle vier Jahre mit Bordmitteln“, sagt Dr. Janpeter Horn am Freitagvormittag, während ringsherum Kunden des Hauses in vielen Sprachen die Neuigkeiten aus dem Herzog-Angebot per Handy „nach Hause“ melden. Mit Bordmitteln heißt: Das Unternehmen mit seinen 135 Mitarbeitern sorgt für Hotelzimmer, Shuttle-Service, Verpflegung und Unterhaltungsprogramm sowie fachliche Betreuung – alles ohne jede Veranstaltungsagentur oder andere Hilfe von außen.
Janpeter Horn, der mit seiner Frau Swantje und deren Bruder Guido Grave das Familienunternehmen führt, hat da schon fünf Tage Vollzeit-Messe mit Abendprogramm hinter sich, wirkt aber frisch und begeistert: „Wir und unser Know-How haben nach wie vor weltweit einen Namen.“ Vor vier Jahren bei der letzten Hausmesse – 2009 erlebte die Finanzkrise ihren Höhepunkt – war die Lage alles andere als rosig. Die weltweiten Bestellungen brachen ein. Doch, wie Horn es formuliert: „Maschinenbauer nehmen die Dellen immer am stärksten mit.“ Das Familienunternehmen sorgt daher traditionell mit Rücklagen vor, heute ist das Unternehmen größer als vor der Krise.
Einer der Hintergründe ist das Wissensmanagement. Herzog arbeitet traditionell eng mit Forschern zusammen, etwa in der Kohlefasertechnik. Zudem hat das Unternehmen eine hohe Fertigungstiefe, kann mit eigener Teilefertigung schnell reagieren, ohne heftig auf Engpässe bei Zulieferern reagieren zu müssen. „Wir haben zudem bemerkt“, so Horn, „dass in den Lieferländern entgegen der Erwartungen das Know-How kaum wächst.“ Deswegen sei Herzog als Projektentwickler weltweit stark gefragt.
Die Gäste seien auch von Oldenburg sehr angetan gewesen, berichtet Horn. Er werte die Stadt auch als sehr guten Standort für das Unternehmen. Allerdings kritisiert der Herzog-Chef im Gespräch mit der NWZ , dass Initiativen von Investoren in der Bauverwaltung zum Teil überkritisch geprüft würden. Rat und Verwaltung – „den OB nehme ich ausdrücklich aus“– hätten offenbar das „vorhabenbezogene Mitdenken“ aus den Augen verloren. Die Stadt müsse aufpassen, dass aus der sehr guten Entwicklung keine Arroganz erwachse.
