Vielstedt - Rund 600 Kilometer trennen Vielstedt und das Skagerrak, den Teil der Nordsee zwischen der Nordküste Dänemarks, der Südküste Norwegens und der Südwestküste Schwedens. Dort tobte während des Ersten Weltkriegs die größte Seeschlacht zwischen der deutschen Hochseeflotte und der Grand Fleet der Royal Navy.

Zwischen dem 31. Mai und dem 1. Juni 1916 tobte die Seeschlacht – 25 Schiffe sanken und mehr als 8500 Soldaten fanden den Tod. Ein ähnliches Schicksal hätte Christian Detken aus Vielstedt ereilen können.

Der 1893 geborene Vielstedter verdiente sein Geld vor dem Krieg als Elektriker, Mechaniker und Installateur. „Mein Großvater war ein echter Tüftler“, erklärt sein Enkel Reinhardt Kirchhoff, der die Marine-Feldpostkarten seines Großvaters aufgebewahrt. Als der Krieg begann, wurde der Vielstedter der Marine zugeteilt.

Auf einer Karte von 1914 in die Heimat wünscht Detken von Bord der S.M.S. Schlesien, die zu dieser Zeit in Norwegen ankerte, der Familie in Vielstedt frohe Weihnachten. Eine weitere Karte zeigt ein Bild, wie ein Matrose eine Herde Schweine an Bord füttert. „Ohne die Kühltechnik, die wir heute nutzen, mussten die Tiere auf dem Schiff gehalten und geschlachtet werden“, erklärt Kirchhoff.

Die Aufzeichnung, die Christian Detken während seiner Zeit auf See führte, bestehen größtenteils aus Statistiken. Der Vielstedter hatte sämtliche Schiffe der deutschen Hochseeflotte und der Grand Navy und deren Bewaffnung säuberlich in Listen eingetragen. Einige der Schiffe wurden mit feinen Strichen mit Bemerkungen, wie gesunken, markiert.


Auf den hinteren Seiten seines Büchleins widmete sich der Elektroniker geselligeren Dingen. 66 verschiedene Seemannslieder, Geschichten und Gedichte, wie den Marmeladen-Marsch oder das Soldatenlied, hatte er aufgeschrieben.

Als die MS Schlesien im Frühjahr 1916 den Befehl erhielt, sich auf den Weg nach Skagerrak zu machen, um an dem Vorstoß gegen die Handelsschifffahrt teilzunehmen, versagten die Maschinen, so dass das Schiff hinter den Rest der Flotte zurückfiel. Die S.M.S. Schlesien traf erst ein, als ein Großteil der Schlacht bereits vorbei war. „Der Maschinenschaden hat meinem Großvater womöglich das Leben gerettet“, sagt Kirchhoff.

Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte Christian Detken nach Vielstedt zurück führte sein Unternehmen als Elektroniker in seinem Heimatort in Selbstständigkeit weiter. Er verstarb am 20. Januar 1960 mit 66 Jahren.

Lars Puchler
Lars Puchler Redaktion Lokalsport Ammerland