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Von Reiner KRamer
Frage:
Können Sie sich noch an den 9. November 1989 erinnern?
Varelmann:
Ich habe die Tage noch deutlich vor Augen. Mit den Klassen 13 des Clemens-August-Gymnasiums sind wir ja immer nach Berlin gefahren. Die Entwicklung des Ostens, die Mauer und ein Besuch im Ostsektor – das waren Pflichtveranstaltungen. Am Morgen des 9. November sind wir in den Osten gefahren. Wir sind noch gefilzt worden, wie es schlimmer nicht sein kann.
Frage:
Wo hat Sie letztlich die Nachricht vom Fall der Mauer erreicht?
Varelmann:
Wir saßen am Abend in einer Gaststätte am Kurfürstendamm, als jemand hereingestürmt kam und rief: „Die Mauer ist auf“. Zuerst wollten wir das gar nicht glauben, schließlich waren wir ja gerade am Morgen noch im Osten gewesen. Aber dann rollte eine ganze Trabi-Welle in den Westen, der Ku’damm war binnen kurzer Zeit völlig verstopft. Unbekannte Menschen lagen sich in den Armen. Zuerst haben wir uns gesträubt, die Schüler zur Mauer zu lassen, weil wir skeptisch waren. Aber dann sind wir auch dorthin gegangen. Ein unvergessliches Bild.
Frage:
Welches Bild haben Sie heute vor Augen, wenn Sie an die Zeit zurückdenken?
Varelmann:
Die Vopos, die auf der Hinreise noch Angsteinflößend gründlich gefilzt haben, waren auf der Rückreise plötzlich völlig verändert, haben gewunken und gelacht. Und an die Trabis auf der Transitstrecke erinnere ich mich: In drei Reihen standen die stinkenden Kisten nebeneinander. Vor dem 9. November durfte man an der Transitstrecke nicht halten. Bei unserer Rückfahrt sind wir teilweise zu Fuß über die Strecke marschiert.