Norden/Oldenburg - Bei der in Schieflage geratenen SKN-Medien-Gruppe in Norden ist am 1. Juli bei fünf Gesellschaften das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Das traditionsreiche Druck- und Verlagshaus aus Ostfriesland hatte im März ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung angemeldet. Diesem Wunsch sei zum 1. Juli durch das Amtsgericht Aurich entsprochen und die Eigenverwaltung für den Verlag und die vier Tochtergesellschaften angeordnet worden, bestätigte die SKN am Donnerstag auf Anfrage unserer Redaktion.
„Der Geschäftsbetrieb läuft in der gesamten Gruppe uneingeschränkt weiter, die Leserinnen und Leser erhalten weiterhin wie gewohnt ihre Zeitung und auch das Anzeigen- sowie das Druckgeschäft gehen weiter wie bisher“, sagte Charlotte Basse, Geschäftsführerin der SKN-Medien-Gruppe. Die Verlagsgruppe gibt unter anderem den „Ostfriesischen Kurier“ und die „Norderneyer Badezeitung“ heraus. Zudem verlegt die Gruppe das „Ostfriesland-Magazin“. Diese würden „in bewährter Weise weiter erscheinen“, hieß es bei SKN.
Anzeigenblatt eingestellt
Das Anzeigenblatt „Norderney Kurier“ sei dagegen zum 1. Juli eingestellt worden. „Trotz unserer Bemühungen konnte es nicht profitabel gemacht werden, sodass eine Einstellung unumgänglich war“, teilte die Gruppe mit. Auch sei aus „Gründen der Kostenoptimierung“ die Geschäftsstelle auf der Insel umgezogen.
Zudem müsse Personal abgebaut werden. Die Druckerei in Emden werde auf zwei Schichten reduziert. „Damit sind die verbleibenden Schichten ausgelastet und der Betrieb kann weiterproduzieren“, sagte Basse. 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sei vom Unternehmen der Wechsel in eine Transfergesellschaft angeboten worden – je nach Betriebszugehörigkeit bis zu zehn Monate. Zudem werde es aus rechtlichen Gründen zu neun insolvenzbedingten Kündigungen kommen. „Dieser Schritt ist uns sehr schwer gefallen“, so Basse. Zu den Betroffenen gehört auch Holger Bloem, langjähriger Chefredakteur des „Ostfriesland-Magazins“, wie dieser unserer Zeitung bestätigte, ohne sich im Detail äußern zu wollen. Insgesamt beschäftigten Verlag und Tochtergesellschaften nach SKN-Angaben bei Antragstellung 265 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 184 in Norden und 71 in Emden.
Das Sanierungskonzept sehe vor, die drei Kerngeschäfte Druckerei, Zeitung und Verlag enger zu verzahnen. Spekulationen, wonach die Medien-Gruppe als Ganzes oder in Teilen verkauft werden soll, widersprach Basse: „Veräußerungen sind nicht notwendig und auch nicht geplant.“
Als Grund für die Schieflage nannte die Gruppe die durch den Ukraine-Krieg überproportional gestiegenen Papier- und Energiepreise sowie die fortschreitende Inflation, die zu einem deutlichen Auftragsrückgang in der Druckerei geführt hätten. Unter diesen Faktoren hätten auch die Tageszeitungen gelitten.
Unterstützung durch Sanierungsexperten
Ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung bedeutet, dass die Leitung des Unternehmens auch während des Sanierungsprozesses in den Händen der Geschäftsführung bleibt. Unterstützung erhält diese dabei durch den gerichtlich bestellten Sachwalter, den Juristen Christian Kaufmann von der Oldenburger Niederlassung der auf Insolvenzen und Sanierungen spezialisierten Gesellschaft Pluta, sowie den Rechtsanwalt und Sanierungsexperten Markus Freitag von der Düsseldorfer Kanzlei AndresPartner. „Die Eigenverwaltung ermöglicht den langfristigen Fortbestand der Unternehmensgruppe im Interesse von Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten sowie Gläubigern sicherzustellen“, sagte Basse. Die Gruppe hatte bereits 2018 ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchlaufen.
Die traditionsreiche Druck- und Verlagsgruppe blickt auf eine mehr als 150-jährige Geschichte zurück. 1867 hatte Diedrich Gerhard Soltau den Zeitungsverlag gegründet. Auf Soltau geht das „S“ im Namen der Gruppe zurück. „K“ verweist auf den Ostfriesischen Kurier. „N“ steht für Norden, wo die Gruppe ihren Sitz hat.
