Oldenburg - Gesund sein, das sagt sich so einfach. Doch was heißt das eigentlich? „Wenn sie glauben, sie hätten keine Krankheit, dann kommen sie mal bei mir vorbei, ich finde irgendetwas“, sagte Dr. Stephan Böhmen, Chefarzt der Kardiologie im Reha-Zentrum Oldenburg, bei den Gesundheitstagen in der Weser-Ems-Halle am Sonnabend. Gesundheit sei eben mehr als die Abwesenheit von Krankheit.

Damit stieg Böhmen ein in einen Vortrag, der den Blick auf die gesamte Vorsorgedebatte zurechtrücken sollte. Nur Gesetzgeber und Gesellschaft, so seine These, könnten die Weichen zur Gesunderhaltung stellen, nicht das Gesundheitssystem selbst. Als Beispiel nannte er Rudolf Virchow, der bereits im 19. Jahrhundert Seuchen nicht mit Medizin, sondern mit der Trennung von Trink- und Nutzwasser bekämpfte.

Die „heutigen Seuchen“ wie Übergewicht, Diabetes oder psychische Belastungen ließen sich ebenfalls nur durch die Politik lösen, so Böhmen. Städteplanung, Nahrungsmittelkennzeichnung oder Förderung sozial Benachteiligter seien nötig. „Bildung ist die beste Impfung.“ Man brauche eine Revolution der Prävention, das gehe nur auf gesellschaftlicher und politischer Ebene.

Auch die Gesundheitstage sollen ihren Teil beitragen. Die Versorgungsstruktur vor Ort soll aktiv verbessert werden, so Prof. Dr. Gisela Schulze, Sprecherin der Kommunalen Gesundheitskonferenz. Die European Medical School werde dies unterstützen. „Dabei dürfen wir aber nicht die Bürger vergessen.“ Die Ergebnisse aus dieser Entwicklung sollten schnell in die öffentliche Versorgung einfließen.

Dr. Frank Bazoche, Leiter des Gesundheitsamtes, sprach bereits von einem Bewusstseinswandel, den er nicht nur bei Einzelnen, sondern auch bei Unternehmen und in der Politik wahrgenommen habe.


Dass den Menschen mehr Gesundheitskompetenz vermittelt werden müsse, dafür warb Prof. Dr. Ulla Walter von der Medizinischen Hochschule Hannover. Oft seien allerdings zum Beispiel Broschüren einseitig oder gar irreführend. „Die Menschen brauchen Informationen, die verständlich auf die Chancen und Risiken bei Präventionsangeboten hinweisen.“

Patrick Buck
Patrick Buck Redaktion Oldenburg (Stv. Leitung)