Berlin - Als Bahnchef war Hartmut Mehdorn im Herbst 2006 beim ersten Spatenstich des Hauptstadtflughafens dabei. Bis vor wenigen Wochen vertrat er als Air-Berlin-Chef die Interessen des größten Berliner Flughafenkunden. Jetzt schließt sich der Kreis: Mehdorn übernimmt an diesem Montag den Vorsitz der Flughafen-Geschäftsführung. Wenn alles doch noch klappen sollte, wird er als Hausherr die ersten Fluggäste begrüßen.
Der 70 Jahre alte Topmanager erhält einen Dreijahresvertrag als Geschäftsführer der staatlichen Betreibergesellschaft, wie der Airport-Aufsichtsratschef und brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Freitag auf der Baustelle in Schönefeld sagte.
„Das ist eine reizvolle Aufgabe, keine Frage“, sagte Mehdorn, warnte aber auch vor zu hohen Erwartungen. „Ich kann auch nicht zaubern.“ In seiner neuen Funktion hat Mehdorn nicht nur Verantwortung für den Neubau, sondern auch für die alten Flughäfen in Tegel und Schönefeld. Mehdorn folgt auf Rainer Schwarz, der im Januar entlassen worden war.
Die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund sind die Bauherren des Flughafens, dessen kalkulierte Kosten seit Baubeginn im Jahr 2006 von 2,0 Milliarden auf 4,3 Milliarden Euro im vergangenen Herbst stiegen. Für das frühere Prestigeprojekt ist zudem nach vier gescheiterten Anläufen noch immer kein Eröffnungstermin in Sicht.
Während die Branche und die regionale Wirtschaft erleichtert auf die Berufung reagierten, gab es aus der Opposition im Bund auch Spott über die vermeintliche Notlösung nach mehreren Absagen.
Platzeck sagte, Mehdorn sei ein sehr erfahrener Manager und exzellenter Branchenkenner. Er sei sicher, dass der frühere Bahnchef dem Flughafen zu mehr Akzeptanz verhelfe, ihn zurück in die Erfolgsspur und zu einer gelungenen Eröffnung führe. Auch der Regierende Bürgermeister Berlins Klaus Wowereit (SPD) und Verkehrsstaatssekretär Rainer Bomba (CDU) für den Bund sagten Mehdorn ihre Unterstützung zu.
