Berlin/Oldenburg - Trotz einer Steigerung der Mediziner-Zahl um 2,5 Prozent warnt die Ärzteschaft vor einem verschärften Mediziner-Mangel in Deutschland. Rund 357 200 in ihrem Beruf arbeitende Ärzte gab es im vergangenen Jahr, geht aus einer am Montag in Berlin veröffentlichten Statistik der Bundesärztekammer hervor. Kammerpräsident Frank Ulrich Montgomery sagte dennoch: „Der Ärztemangel und der Mangel an Arztstunden sind keine Prognose mehr, sondern in vielen Regionen Deutschlands längst Realität.“

Hauptsorge der Ärztevertreter: der bevorstehende Ruhestand vieler Praxisärzte. Bei den niedergelassenen Medizinern stieg das Durchschnittsalter innerhalb eines Jahres von 52,8 auf 53,1 Jahre. Immer mehr Ärzte arbeiten zudem in Teilzeit.

Aus Sicht der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist nicht die Anzahl der Ärzte das Problem, sondern dass sich für manche Regionen kein Hausarzt finden lasse. „In der ambulanten Versorgung müssen mehr Kooperationen angeboten werden, damit jungen Ärzten der Weg aufs Land erleichtert wird“, sagte Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbandes.

Auch im Nordwesten macht sich der Mediziner-Mangel zunehmend bemerkbar: Seit drei bis vier Jahren gebe es immer weniger niedergelassene Hausärzte, sagte Wolfgang Grashorn, Vorsitzender der Bezirksstelle Oldenburg der Ärztekammer Niedersachsen, gegenüber der NWZ . Besonders stark betroffen seien die Wesermarsch und ländliche Gebiete im Oldenburger Münsterland.