Fedderwardersiel - Dr. Anika Seyfferth ist geradezu euphorisch. „Wir stehen in den Startlöchern“, lässt sie begeistert Almut Kottwitz wissen. Die Staatssekretärin im niedersächsischen Umweltministerium hat soeben angedeutet, dass sie gute Chancen dafür sieht, dass für die geplante Erneuerung der Dauerausstellung im Nationalpark-Haus Museum Fedderwardersiel EU-Fördermittel fließen. Auf eben die hoffen Anika Seyfferth und Friederike Ehn inständig. Denn die beiden Leiterinnen des Museums haben eine Menge vor.
Almut Kottwitz (Grüne) war am Mittwoch im Rahmen einer Werbetour für besondere Umwelt-Projekte in Niedersachsen zu Gast in der Gemeinde. Butjadingen war dabei ihre erste Station. Und die bot der Staatssekretärin gleich zwei Highlights, die sie in dieser Kombination als „einmalig für Niedersachsen, vielleicht sogar für ganz Deutschland“ bezeichnete. Gemeint waren damit der Langwarder Groden und das Nationalpark-Haus in Fedderwardersiel. Unter anderem mit Bürgermeisterin Ina Korter im Schlepptau erkundete Almut Kottwitz zunächst den Natur-Erlebnisfahrt und stattete dann dem Museum einen Besuch ab.
Richtlinie steht aus
Für Anika Seyfferth stellte der Besuch der Staatssekretärin eine ideale Gelegenheit dar, um sich zu erkundigen, wie weit die neuen Richtlinien für die Vergabe der erhofften EU-Mittel gediehen sind. Almut Kottwitz sagte, dass die Richtlinien weiterhin in Arbeit seien. Bis Ende des Jahres würden sie wohl noch nicht vorliegen, womöglich müsse auch noch das Frühjahr 2016 abgewartet werden.
Gleichwohl machte Almut Kottwitz der Museumsleiterin sowie auch der Vorsitzenden des Trägervereins, Dr. Marlene Laturnus, Hoffnung, dass die für die Umgestaltung der Dauerausstellung benötigten Mittel der EU fließen. Und da das Museum sich nicht zuletzt dem Thema Müll im Meer widme und zu nachhaltigem Handeln anrege, ließe sich eventuell auch ein Topf anzapfen, der für Öffentlichkeitsarbeit im Zuge des Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie Mittel bereitstellt.
Das Museum benötigt insgesamt 700 000 Euro, um die Dauerausstellung modern, erlebnisorientiert und barrierearm zu gestalten, den Shop- und Kassenbereich zu vergrößern und einen neuen Schulungs- und Veranstaltungsraum herzurichten. Das hatte Friederike Ehn bereits den Mitgliedern des Ausschusses für Familie, Jugend, Sport und Kultur sowie des Bauausschusses vorgerechnet, die am Dienstag gemeinsam im Nationalpark-Haus tagten.
Zusage von Stiftung
Die Wattenmeerstiftung hat 90 000 Euro an Fördermitteln zugesagt (NWZ berichtete). Auf 100 000 Euro hofft das Museum von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung – der Antrag ist fertig und soll jetzt auf die Reise gehen. Damit blieben 510 000 Euro, die von der EU fließen müssten.
Bis hier hin ist die Gemeinde außen vor. Sie kommt als Eigentümerin des alten Zollhauses, in dem das Museum untergebracht ist, aber bei einem weiteren Wunsch der Leiterinnen ins Spiel: Damit auch die oberen Stockwerke barrierefrei zu erreichen sind, soll ein Fahrstuhl eingebaut werden. Dafür sei mit Kosten in Höhe von rund 100 000 Euro zu rechen, und die wären der Part der Gemeinde.
Die Ausschussmitglieder signalisierten reichlich Wohlwollen für das Anliegen und begrüßen auch die Umgestaltung der Dauerausstellung, die möglichst im Frühjahr 2018 komplett abgeschlossen sein soll. „Der Tourismus in Butjadingen braucht dieses Haus“, betonte Wilhelm Has (CDU). Das bestätigte auch Hans-Gerd Gerdes (Grüne). Andere Nationalpark–Häuser seien weitaus moderner. Das Museum in Fedderwardersiel drohe ins Abseits zu geraten. Gerdes: „Wir tun als Gemeinde gut daran, das Haus voranzubringen. Dafür ist es allerhöchste Zeit.“
Zunächst sollen nun die genauen Kosten für einen Fahrstuhl ermittelt werden. Dann sollen die politischen Beschlüsse fallen.
