Apolda - Weil mehr große Brauereien auf individualisierte Flaschen setzen, wird es für andere Brauereien teurer, an ihre Standardflaschen zu kommen. Die Flaschen wechseln im Pfandsystem für gewöhnlich zwischen den Betrieben hin und her. Doch immer mehr Flaschen können nur noch von einzelnen Brauereien befüllt werden – schließlich will keine Brauerei ihr Bier in der speziellen Flasche eines Konkurrenten abfüllen. „Die individualisierten Flaschen sind dem Mehrweg-System quasi entzogen“, sagt Detlef Projahn, Präsident des Verbands Private Brauereien und Chef der Vereinsbrauerei Apolda in Thüringen.

Das Sortieren der Pfandflaschen wird vom Getränkefachgroßhandel mit speziellen Maschinen übernommen, einige Brauereien sortieren die verschiedenen Flaschen aber auch selbst. Bezahlt wird die Sortierleistung in beiden Fällen von den Brauereien.

Der Aufwand werde immer größer: „Es gibt einen klaren Trend hin zur individualisierten Flasche“, sagt Thomas Fischer, Leiter des Bereichs Kreislaufwirtschaft der Deutschen Umwelthilfe. 30 Prozent der Flaschen, die in den Kästen der Apolda-Brauerei angeliefert werden, seien inzwischen Fremdflaschen, schätzt Projahn. „Statt früher drei Leute müssen bei uns nun fünf Mitarbeiter die Flaschen sortieren.“

Speziell bei kleinen Brauereien verursacht das höhere Kosten, denn nach der Sortierung müssen die Brauereien die für sie unpässlichen Flaschenformen wieder loswerden. Projahn erklärt das Problem anhand seiner Brauerei: „Ich verkaufe jede Woche rund 26 000 Pfandflaschen, die ich selbst bei der Abfüllung nicht gebrauchen kann.“

Die Käufer sind in diesem Fall Firmen, die sich auf das Sortieren und Beliefern der Brauereien mit passenden Pullen spezialisiert haben. Das Problem: Während die Brauerei bei der Rückkehr der Flasche die acht Cent Pfandwert zahlen musste, erhält Projahn beim Weiterverkauf der falschen Flasche an ein Sortierunternehmen nur rund drei Cent dafür – und macht allein dadurch jede Woche 1300 Euro Verlust.


Der Trend zur individualisierten Flasche hat zudem eine unangenehme Folge für die Verbraucher. Bisher haben vor allem die großen Brauereien für frisches Glas im Kreislauf gesorgt. Sollte das nicht gelingen, sehen die Flaschen in den Regalen bald immer abgenutzter aus.