Hude - Ein Mann, ein Wort. Eine Frau, eine Zahl? Kaum ein Thema stößt auf derart geteilte Meinungen wie die Frauenquote. Donnerstag stimmte der Bundestag über die Einführung einer gesetzlichen Regelung ab. Während im Parlament gestritten wird, haben berufstätige Frauen selbst oft eine ganz eigene Haltung.
„Wir schaffen das auch so. Ohne ein Gesetz“, ist Helma Hartgen überzeugt. Die Huderin leitet seit 16 Jahren ihren eigenen Betrieb für Maschinen- und Mühlenbau. Gegründet hat sie die Firma mit ihrem Mann. Bis die drei Kinder alt genug waren, hat die 52-Jährige Teilzeit gearbeitet. Mittlerweile ist sie Vorgesetzte von rund 30 Mitarbeitern. Sechs davon sind weiblich. Mehr als die Hälfte ist in gehobener Position beschäftigt. In ihrer Branche, dem Handwerk, sehe sie keinen Bedarf für eine festgelegte Quote.
Anders sei das bei Konzernen: „Da sind die hierarchischen Strukturen fest verankert“. Ob ein neues Gesetz die Probleme lösen könne, bezweifelt die dreifache Mutter jedoch: „Wie schnell kommt dann der Gedanke auf: die hat ihre Stelle nur, weil sie eine Frau ist?“ Es ginge eher um einen Umdenkprozess. „Die Lebensumstände müssen sich verändern – mehr Unterstützung für Mütter“, meint die Chefin. Erst müssten die Voraussetzungen geschaffen werden, dass Frauen genauso Karriere machen können wie ihre männlichen Kollegen. Sie selbst habe das Glück gehabt, im eigenen Familienbetrieb Karriere zu machen und so auch den Kindern gerecht werden zu können.
„Frau Hartgen hat es geschafft. Die steht ihren Mann“, findet Karin Eichler. Die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde sieht die Unternehmerin als gutes Bespiel einer Frauen-Karriere. „Wenn man sich bei den Firmen in der Umgebung umguckt, kann man Chefinnen mit der Lupe suchen“, bemängelt die 61-Jährige. Grundsätzlich befürworte sie daher die Frauenquote. Es gebe viele hervorragend ausgebildete junge Mädchen und so wenig Chancen für einen gleichberechtigten Aufstieg. Eine Gesetzesregelung wäre zumindest eine „Teillösung“. Allerdings sei der Weg in eine „gerechtere“ Welt noch lang. „Da muss viel in den Köpfen passieren. Männer haben erstmal zu begreifen, was Frauen alles können.“ Langsam würde sich etwas ändern. So gebe es inzwischen mehr Bürgermeisterinnen im Landkreis. Die Gemeinde Hude hingegen verfüge aktuell bloß über eine einzige Fachbereichsleiterin. „Mal sehen, was sich die nächsten 50 Jahre so tut“, sagt Karin Eichler. Die Bundestagsdebatte allerdings stehe „unter Fraktionszwang“. Klar Stellung beziehen könnten da Frauen wie von der Leyen und Schröder nicht.
Viola Daebel, Pressewartin der Huder Unternehmerinnen, hingegen tut ihre Meinung gerne kund: „Eine Frauenquote reicht nicht“, sagt die 40-Jährige. Die Sichtweisen der Personalentscheider müssen sich ändern, die Bedingungen sich verbessern. Vor allem in der Wirtschaft seien zu wenig Chefetagen von Frauen besetzt. Gleichberechtigung beginne in den Köpfen der Menschen und nicht auf Grundlage eines Gesetzes.
„,Frau’ muss es selbst wollen. Da hilft kein Gesetz“, sagt auch Marlies Pape. Eine Quotenregelung sei der falsche Weg, findet die Huder Ratsfrau. Ihr erster Wunsch ist eine Gleichstellung in der Bezahlung. Noch immer verdienen Männer für die selbe Leistung erheblich mehr Geld. Außerdem müsste es mehr Chancen für Frauen mit Kindern geben. Etwa durch flexibler Arbeitszeiten. Im Rat hat die FDP-Fraktionsvorsitzende sechs Kolleginnen. Die restlichen 24 Posten werden von Männern besetzt. Die heiße Debatte im Bundestag sieht sie gelassen: „Mal sehen, was am Ende dabei heraus kommt.“
