Butjadingen - Es war keine leichte Geburt. Doch dafür liegt nun ein Ergebnis vor, mit dem alle Seiten gut leben können. Tourismus-Service Butjadingen (TSB) hat sich mit der Dienstleistungsgesellschaft Verdi auf einen Haustarif für die Kurgesellschaft geeinigt. TSB-Geschäftsführer Robert Kowitz, Verdi-Gewerkschaftssekretär Frank Buscher und Rechtsanwältin Ruth Wreesmann vom Arbeitgeberverband Oldenburg haben jetzt im Haus des Gastes in Burhave die letzten Unterschriften geleistet. Die wichtigste Nachricht für die Beschäftigten der TSB: Sie bekommen mehr Geld und erhalten künftig Zuschläge, wenn sie an Sonn- und Feiertagen arbeiten.

Die Kurgesellschaft hatte sich bislang in einem „tarifleeren Raum“ bewegt, wie es Ruth Wreesmann ausdrückt. Die Höhe der Gehälter für die 26 festangestellten Beschäftigten und 28 Saison- und Aushilfskräfte wurden jeweils individuell festgelegt, Sonn- und Feiertagszuschläge nicht gezahlt. Diese Zeiten sind nun vorbei.

In sechs Verhandlungsrunden hat die Tarifkommission, der unter anderem TSB-Betriebsratsvorsitzende Jana Müller, Rüdiger Bausch als Vorsitzender und Mitarbeiterin Bärbel Cordsmeier angehörten, einen für die Kurgesellschaft maßgeschneiderten Tarifvertrag ausgehandelt. Er gilt rückwirkend zum 1. Juni und hat eine Laufzeit bis zum Ende des Jahres 2021.

Robert Kowitz geht davon aus, dass die künftig „sehr gute Bezahlung“ der Beschäftigen zu einer erhöhten Motivation führen wird. Außerdem schaffe der Haustarif mehr Transparenz und Planungssicherheit. Der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Sprickerhof spricht von einem „sehr guten Ergebnis“ mit „teils deutlichen Gehaltserhöhungen für die Mitarbeiter“. Die allerdings auch notwendig gewesen seien. Die Gehälter der Beschäftigten seien seit zwei Jahren nicht erhöht worden. Insofern habe es einen Nachholbedarf gegeben.

Betriebsratsvorsitzende Jana Müller, Astrid Blaschke, die als Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsrat sitzt, und Verdi-Mann Frank Buscher sind ebenfalls zufrieden – auch wenn die Arbeitnehmerseite „einige Kröten schlucken“ musste, wie der Gewerkschafter sagt. Dazu zählt, dass automatische Gehaltssprünge für die Beschäftigten nicht durchzusetzen waren.

Im Haustarif sind zehn Tarifgruppen mit zusätzlichen Untergruppen vereinbart, in die die Beschäftigten eingeordnet wurden. Laut Jürgen Sprickerhof erhalten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchschnittlich zehn Prozent mehr Gehalt. Zudem ist eine Tarifdynamik in Anlehnung an den Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst (TVöD) verankert. Das bedeutet, dass auch die TSB-Beschäftigten automatisch mehr Geld erhalten werden, wenn im Öffentlichen Dienst Gehaltserhöhungen ausgehandelt wurden.

Für Sonn- und Feiertagsdienste erhalten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kurgesellschaft künftig einen Zuschlag von 25 Prozent pro geleisteter Stunde. Keine Veränderungen gibt es bei der Wochenarbeitszeit (40 Stunden) und beim Urlaubsanspruch (30 Tage pro Jahr). Der Geschäftsführer und zwei leitende Angestellte sind ausgenommen von den Neuregelungen.

Im September 2015 war bei der TSB das erste Forderungsschreiben von Verdi eingegangen. Danach hatte es heftig gerappelt. Der Streit gipfelte darin, dass Robert Kowitz Verdi-Vertreter Frank Buscher in einer Mail Hausverbot erteilte. Der Geschäftsführer hatte allerdings kurz darauf erklärt, dass es gar kein Hausverbot gebe, weil es nicht formgerecht ausgesprochen worden sei. Im Frühjahr war der Streit beigelegt, am 23. März hatte erstmals die Tarifkommission getagt.