Bad Zwischenahn/Oldenburg - Die Zahl der Milchviehbetriebe nimmt ab, gleichzeitig steigt die Zahl der Kühe: Der Strukturwandel bei den Milchviehhaltern schreitet auch im Nordwesten voran, wie die beiden Geschäftsführer der Weser-Ems-Union (WEU), Dr. Josef Pott und Hartmut Zingel, am Freitag bei der Jahresbilanz des Zuchtverbands in Bad Zwischenahn erläuterten.
Gab es im Bereich der WEU (Raum Oldenburg, Wesermarsch, Delmenhorst, Südoldenburg, Emsland, Grafschaft Bentheim sowie Teile des Ammerlands, Frieslands und Bremen) im Jahr 2000 noch 3660 Herdbuch-Betriebe mit zusammen 132 536 Herdbuch-Kühen, waren es 2012 nur noch 2121 Betriebe mit zusammen 141 787 Tieren. Die Zahl der Kühe pro Betrieb stieg in diesem Zeitraum von durchschnittlich 36,2 auf 66,8. Allein zwischen 2011 und 2012 ging die Zahl der Betriebe um 3,4 Prozent zurück, während die Zahl der Kühe um 3,2 Prozent zunahm.
Steigende Energiekosten
„Der Prozess ist stetig und wird sich auch in Zukunft fortsetzen“, sagte Pott. Steigende Energie- und Betriebskosten machten den Betrieben zu schaffen und würden vor allem einige kleinere zur Aufgabe zwingen. Die verbleibenden Betriebe würden sich u.a. für das Auslaufen der Milchquote rüsten und spezialisierten sich weiter, indem sie sich auf Milchvieh konzentrierten.
Grundsätzlich gewinne die Region als Milchviehstandort bundesweit an Bedeutung. Milchlieferrechte seien in den vergangenen Jahren in den Nordwesten gewandert. „Die Region ist prädestiniert für Milchvieh“, sagte Pott.
Erfreulich sei, dass sich die Zucht- und Schlachtviehpreise 2012 stabil entwickelt hätten. Die Milchpreise seien dagegen – trotz der Erhöhungen zuletzt – weiter zu niedrig, meinte Pott. Angesichts der steigenden Betriebskosten sei deshalb kaum mehr als eine schwarze Null für die meisten Betriebe drin gewesen.
Eine erfreuliche Bilanz zog die WEU derweil für ihr eigenes Geschäftsjahr. Die Genossenschaft (130 Mitarbeiter) konnte ihren Umsatz nach vorläufigen Zahlen von 45,3 Millionen auf 46,5 Millionen Euro steigern. Grund sei u.a. die Ausweitung der Produktpalette, erläuterte Zingel.
Führend bei Auktionen
Insgesamt habe die WEU im vergangenen Jahr 40 233 Tiere vermarkten können (plus 7,0 Prozent) und dabei den Umsatz um 7,3 Prozent auf 32,4 Millionen Euro steigern können. Während man sich bei Auktionen als Nummer eins in Deutschland etabliert habe und die Nutz- und Schlachtviehvermarktung boome (Umsatzplus von 29 Prozent auf 16,9 Millionen Euro), habe man bei der Zuchtviehvermarktung ein Minus (um 9,9 Prozent auf 15,4 Millionen Euro) hinnehmen müssen. Beim Umsatz mit Agrarartikeln gab es ebenso wie beim Besamungsservice und bei Serviceuntersuchungen Zuwächse.
„Gerade für den Export war dieses Jahre etwas schwieriger“, sagte Zingel. Wegen des Schmallenberg-Virus sei in Ländern wie Russland, der Ukraine und der Türkei die Einfuhr beschränkt gewesen. Insgesamt exportierte die WEU 5629 Tiere. Wichtigster Abnehmer ab Stall war Aserbaidschan (1980 Tiere). Bei den Auktionen waren Färsen vor allem in Italien (1173 Tiere) und Polen (717) gefragt.
