Wesermarsch - Wenn es nach dem Willen der SPD-Grünen-Gruppe im Kreistag geht, soll der Landkreis bei Auftragsvergaben und Materialbeschaffungen künftig mehr auf die Umwelt achten. Wie das in anderen Gebietskörperschaften geht, erfuhr der Ausschuss für Bauen, Kreisentwicklung, Landwirtschaft und Umwelt jüngst. Referenten aus dem Landkreis Oldenburg sowie den Städten Bremen und Hamburg stellten die dort geltenden Regeln vor – die teilweise weit über die Vergaberichtlinien, die stets einzuhalten sind, hinausgehen.
Bei allen Beiträgen wurde deutlich: Nicht notwendigerweise mehr finanzielle Mittel stehen im Mittelpunkt, sondern die Organisation, Kommunikation und Beteiligung. „Sie müssen die Mitarbeiter mitnehmen“, hieß es unisono.
Der Landkreis Oldenburg habe bereits 2013 eine Vergaberichtlinie beschlossen, die soziale und umweltrechtliche Aspekte beinhalte, so Kämmerer Reiner Fürst. Bei der praktischen Umsetzung habe man zunächst auf „schnelle Erfolge“ gesetzt: Fair-Trade-Kaffee, Frischhalteboxen statt Folie, Bezug möglichst von regionalen Anbietern (ohne dabei die Vergaberichtlinien zu missachten). Fürst: „Auch unter der Vorgabe der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit gibt es Handlungsspielraum.“
Drei Botschaften hatte Dr. Diana Wehlau vom Senator für Umwelt, Bau und Verkehr (Bremen): klare Vorgaben in einem rechtlichen Rahmen für die Sicherheit, die praktische Umsetzung und: „Sie brauchen jemanden, der sich kümmert.“ Sie betonte, dass eine Berücksichtigung von Umweltaspekten immer möglich sei. Eine Richtlinie würde diese aber festschreiben.
Dass man umweltbewusst ausschreiben kann, ohne dass dies zwingend teurer werde, betonte auch Carsten Schulz von Immobilien Bremen. Allein durch Bündelung der Beschaffung sei viel zu gewinnen.
Zentrale Punkte sieht Kerstin Bockhorn (Behörde für Umwelt und Energie Hamburg) in der Schulung der Beschaffer und die Einbindung der Anwender. Vor allem aber sollte man immer wieder auch hinterfragen: „Brauchen wir das wirklich?“ Und würden die Lebenszykluskosten statt der Anschaffungskosten zur Grundlage der Beschaffung gemacht, könne vielfach sogar gespart werden, betonte Wehlau. „Und ich spreche aus einem Haushaltsnotlagenland zu Ihnen.“
Beeindruckt war Hans-Otto Meyer-Ott (Die Grünen) von der Hamburger Liste mit 19 Produktgruppen. Sein Fazit: „Nach der Kommunalwahl müssen wir überlegen, was wir inhaltlich umsetzen können.“ Einen Tipp der Referenten aufgreifend, ergänzte er: „Wenn wir das machen wollen, dann sollten wir mir kleinen Produktgruppen anfangen.“ Im Laufe der Jahre könnten diese dann erweitert werden. „Wir sollten die offenen Fragen angehen und nicht Gründe finden, was uns daran hindert.“
