„Ältere Frauen diskriminiert?“ und Kommentar „Vorsorgebedarf unterstützen“, NWZ vom 31. Januar 2020:

Das Thema Mammografiescreenig ist komplex und auch unter Fachleuten umstritten. Dabei geht es nicht vor allem um die Erkrankungshäufigkeit, sondern auch um die Prognose, sowohl der Erkrankung wie auch eines Therapieerfolges im jeweiligen Alter sowie die Risiken durch eventuell unnötige Zusatzdiagnostik oder sogar überflüssige Therapien.

Mindestens das zusammengenommen ergibt nach Einschätzung der Fachleute [...] eine negative Bilanz. Soll heißen, der Schaden des Screenings überwiegt den Nutzen und ganz konkret gesagt: Dadurch werden mehr Frauen unnötig verstümmelt und sterben unter Umständen sogar mehr, als vor dem Krebstod gerettet werden. Natürlich sind solche Grenzen diskutierbar, denn die statistische Verteilung macht weder bei 50 noch bei 70 einen Sprung. Ohne dramatischen Effekt hätte also auch ein Screening von 51 bis 70 oder von 49 bis 68 eine ähnliche Nutzen-Risiko-Bilanz. Daraus eine Altersdiskriminierung machen zu wollen, ist aber absurd. Natürlich ist auch gegenüber Fachleuten eine kritische Aufmerksamkeit notwendig. Für die Forderung nach Ausweitung des Programms bedürfte es aber doch handfesterer Argumente als nur eines diffusen Ungerechtigkeitsempfindens. Auch die steigende Lebenserwartung ist hier ein schwacher Grund, denn das ist seit Bestehen des Screeningprogramms allenfalls um Monate gestiegen, nicht um Jahre. Und wenn man das Alter nun auf bis 75 erweiterte, müssten sich doch die 76-Jährigen diskriminiert fühlen und in letzter Konsequenz Screening am Besten von der Geburt bis zum Tod gefordert werden. Dann müsste man das Screening aber auch auf Männer ausweiten, denn die können ebenfalls (selten) Brustkrebs bekommen und sollten folgerichtig nicht sexistisch diskriminiert werden [...].

Werner Willmann Wiefelstede