Herr Dr. Götz, die deutschen Konjunkturprognosen für 2014 waren bisher sehr zuversichtlich. Meist wurden Zielwerte für das Wirtschaftswachstum 2014 von 1,5 bis 2 Prozent genannt. Schaffen wir das noch, trotz der Krise um die Ukraine?

GötzDas wird spannend. Die Ukraine an sich ist wirtschaftlich relativ unbedeutend für uns. Aber man kann die Krise dort nicht isoliert betrachten. Die Frage ist, ob eine weitere Eskalation der Gesamtlage einschließlich wirklich harter Wirtschaftssanktionen gegen Russland vermieden werden kann, was zu hoffen ist. Andernfalls könnte das auch Wachstumsperspektiven hierzulande eintrüben.

Nehmen wir an, die zwei Prozent Wachstum kommen tatsächlich in Reichweite. Dann müsste – den alten Lehrbüchern zufolge – doch im Gefolge auch die Teuerung anziehen, oder?

GötzNicht unbedingt. Teuerung basiert auf starker Nachfrage und einer Verknappung von Gütern. Davon kann in weiten Teilen des Europas keine Rede sein. Mancherorts sind Preise auch rückläufig, was Diskussionen über eine Deflation ausgelöst hat. In Deutschland ist die Lage anders, die Wirtschaft dynamischer. Aber das reicht nicht für einen deutlichen Teuerungsschub in 2014.

Dann wird es vorläufig also auch keine höheren Zinsen geben – obwohl die Sparer doch so sehr darauf hoffen?

GötzSo ist es. Die Europäische Zentralbank EZB wird die Zinsen noch weiterhin niedrig halten, und dies aus Rücksicht auf hoch verschuldete Staaten. Die könnten deutlich höhere Zinsen nur schwer verkraften. Sie müssen noch Hausaufgaben machen: Schulden abbauen und das Vertrauen in die Wirtschaftspolitik stärken. Immer noch sind die Schulden diverser Staaten – beispielsweise Griechenlands – viel zu hoch.

Also eher schlechte Aussichten für die deutschen Sparer?

GötzDas kommt auf die Anlage an. Generell kann man sagen, dass die Erreichung langfristiger Sparziele – wie z.B. die eigene Immobilie oder die private Altersvorsorge – mit sicheren Anlagen immer mehr Anstrengungen abverlangt. Und immer noch wird zu viel Geld zu kurzfristig angelegt. Das muss man sich klar machen: Auf deutschen Sparkonten schlummern 620 Milliarden, meist zu Mini-Zinsen und mit inflationsbedingt realem Wertverlust!

Also höhere Risiken eingehen, um den Ertrag zu steigern?

GötzDa muss man sich erst über seine finanziellen Ziele im Klaren sein und diese in Einklang mit der eigenen Risikobereitschaft und den verfügbaren Mitteln bringen, bevor Anlageentscheidungen getroffen werden. Am Anfang sollte aber stets die Absicherung elementarer Risiken stehen, also etwa Berufsunfähigkeit oder Pflege.

Und dann? Mal ein Beispiel.

GötzNeben wir einen Riester-Rentenvertrag. Der führt systematisch – durch staatliche Zulagen oder Steuervorteile – zu einer für viele überraschend hohen Rendite in der Ansparphase und ist durch lebenslange Rentenzahlungen ein idealer Baustein, um die weiter steigenden Chancen auf ein langes Leben auch finanziell abzusichern.

Und die gute alte Lebensversicherung ohne Riester-Förderung?

GötzAuch die ist besser als viele annehmen. In Form der Rentenversicherung bietet sie lebenslang Verlässlichkeit und ist auch steuerlich attraktiv.

Die Börsen haben sich ja gut entwickelt. Raten Sie zu Aktien, um langfristige Ziele zu erreichen?

Götz Ich meine schon, dass die Deutschen zu wenig im Aktien beziehungsweise Aktienfonds investieren und mutiger werden sollten. Allerdings dürfte eine eigene Direktanlage in Aktien vielen Menschen zu riskant erscheinen.

Um aber dennoch an positiven Entwicklungen der Kapitalmärkte teilhaben zu können, bieten sich gute Investmentfondsanlagen oder auch Investmentfonds-Sparpläne an, aber auch die fondsgebundene Lebensversicherung. Diese Anlagen sind professionell gemanagt und bieten attraktive Chancen bei begrenztem Risiko.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)