Ich bin Landwirtin und Hähnchenmäster aus Überzeugung. Bei der Aufzucht der Tiere gebe ich mir viel Mühe. Als Mäster möchte ich einen Schlachtbetrieb in meiner Region um lange Transportwege zu vermeiden. Denn das schont die Tiere und gibt mir die Möglichkeit zur besseren Kontrolle.
Die Firma Kreienkamp wäre an ihrem neuen Standort somit ideal für meine Kollegen und mich. Doch anscheinend ist die Umsiedlung von einigen selbst ernannten Tier- und Umweltschützern nicht gewollt. Viele Menschen essen gerne Chicken Mc Nuggets und Grillhähnchen. Es ist doch ein gutes Gefühl, wenn wir wissen, die Lebensmittel kommen aus unserer Region.
Die Hähnchen werden in Familienbetrieben aufgezogen und in einem Familienbetrieb verarbeitet. Allein dieses Wissen hinterlässt bei mir ein tolles Gefühl. Insbesondere wenn ich Kreienkamp-Produkte selber zubereite.
Wir hier in Deutschland haben strengste Regelungen bei Aufzucht und Vermarktung zu erfüllen. Da kann man wirklich guten Gewissens zugreifen.
Doch unsere Arbeit wird immer schwieriger. Persönliche Anfeindungen sind inzwischen schon zur Regel geworden. Lange Transportwege bis ins benachbarte Ausland auch. Kein anderer Beruf wird so deformiert dargestellt wie die Landwirtschaft. Auch die Angst vor Stallneubauten ist unbegründet. Neue Ställe können in unserer Region nur mit Genehmigung der Gemeinde gebaut werden.
Ich weiß, wenn das Familienunternehmen Kreienkamp sich hier in der Gemeinde Großenkneten nicht ansiedeln darf, bedeutet das für unsere wirtschaftliche Zukunft ein Desaster. Kein Unternehmer würde dann diese Gemeinde noch als erwünschten Standort wählen.
Ich hoffe auf eine große Beteiligung beim Bürgerentscheid.
Keine Genehmigung! – So die Antwort. Die Schädigungen sind groß und vielschichtig: Enormer Wasserverbrauch, üble, keimbesetzte Stallluftverbreitung. Zerstörung der anmutigen Landschaft „Wildeshauser Geest“ durch Großmastställe, die trotz der Betriebsaufgabe Stolle/Visbek noch zahlreich entstehen werden: Ein Stall hat 40 000 Hähnchen. Welch eine Qual. Tiere vegetieren dahin. Missachtung der Schöpfungsbewahrung. Die Enge verbreitet Keime.
Deshalb Impfung mit Antibiotika. Resteverbleib in Fleisch und Verseuchung des Grund- und Trinkwassers. Folge: Gefahr für den Menschen, vor allem für Immunschwache: Ältere und Kinder. Aber auch für andere kann die sonst hoffnungsgebende Antibiotika im bedenklichen Krankheitsfall keine Hilfe bringen. Lt. Studie der Tierärztl. Hochschule Hannover „Masthähnchen sind Verursacher antibiotikaresistenter Keime.“ Die Schlachtkapazität bei Puten wurde in Ahlhorn von 40 000 auf 50 000 pro Tag erhöht. Das reicht, sonst ist die Toleranzgrenze für unsere Gesundheit überschritten, weil das Verhältnis Puten zu Hähnchen mehrfach höher ist – der unterschiedlichen Größe wegen und mit der Mehrausscheidung auch größere Schädigung für uns. Schlachtung: 300 Arbtage x 50 000 = 15 Millionen pro Jahr. Dann zusätzlich bei Hähnchen: 300 Tge x mind. 120 000 = 36 Millionen/Jahr. Die zusätzlich hervorgerufenen Belastungen haben wir dann auch noch zu tragen! Jahr für Jahr! Außerdem: Die Bauplanungen für die Hähnchenschlachtung beabsichtigen eine Erhöhung auf 240 000 Tiere pro Tag. Erschreckend!
Deshalb: Bei der Bürgerbefragung geben Sie bei Angabe auch einer geringeren Schlachtzahl ein klares Nein!
Über die Ansiedlungsabsichten des Schlachtbetriebes Kreienkamp ist in den letzten Wochen in der Presse, aber auch auf Bürgerversammlungen heftig diskutiert worden mit dem stabilen Ergebnis, dass ein Teil der Bevölkerung sich für eine Ansiedlung, ein anderer Teil sich gegen eine Ansiedlung ausgesprochen hat. Insofern war es angezeigt, dass, wenn schon die Bürger von den Damen und Herren des Rates um ihre Meinung zur anhängigen Sache befragt werden sollen, an Stelle einer „Bürgerbefragung“ ein klipp und klarer „Bürgerentscheid“ (§33 NKomVG) auf den Weg gebracht wurde, zumal gemäß dessen Absatz (3) „nur mit Ja oder Nein abgestimmt werden darf“ (just wie es die Bekanntmachung 39/2013 auch verlangt!). Eine „Bürgerbefragung“ gemäß § 35 NKomVG, deren Ergebnis expressis verbis für den Rat aber „nicht verbindlich“ sein soll, ist schlichtweg eine Farce, die hierfür entstehenden Kosten sollten den Damen und Herren des Großenkneter Rates auferlegt werden!
Wer die Zeitung liest kann den Eindruck gewinnen, mit der Bürgerbefragung werde über die Zukunft von Massentierhaltung, Trinkwasserverfügbarkeit oder gar unserer Gesundheit abgestimmt. Das ist nicht so. Es geht nicht um die Frage, ob eine Hähnchenschlachterei gebaut wird, es geht nur darum, wo das am sinnvollsten geschieht. Herr Kreienborg wird in der Region bauen, das wird er auch irgendwo genehmigt bekommen, vielleicht in einem Nachbarlandkreis, vielleicht auch auf dem ehemaligen Fliegerhorst in Ahlhorn, dessen Metropolpark-Bebauungsplanung das ja wohl zulässt.
Der neue Schlachthof wird das Wasser unserer Region verbrauchen, egal ob vom OOWV oder aus anderen Brunnen. Wir sollen darüber abstimmen, ob der Vorteil eines gemeinsamen Standortes mit der vorhandenen Putenschlachterei möglich sein soll oder nicht und ob die Gelegenheit genutzt werden soll, unsere kommunale Kläranlage wieder besser auszulasten. Über alle anderen Fragen stimmt jeder von uns täglich mit seinem Einkaufs- und Konsumverhalten bei Lidl, Aldi, Netto, Boekhoff oder Hellbusch ab: und da scheint die Neigung ungebrochen, zum günstigen Hähnchen zu greifen.
