Wildeshausen - „Die Motivation unserer Mitarbeiter, die eine geistige oder körperliche Behinderung haben, ist sehr hoch. Mein Eindruck ist, dass das Arbeitsklima durch sie sogar verbessert wird“, lautete das Fazit von Andreas Melle, Anlagenleiter der Umweltschutzfirma K-Nord in Ganderkesee.

Unter dem Thema „Schule und Arbeit im Kontext der Inklusion“ hatte der Kreisbehindertenrat um den Vorsitzenden Hans Sperveslage am Montag in das Wildeshauser Kreishaus eingeladen. Vor knapp 50 Interessierten ging es um die Frage, wie Menschen mit Handicap erfolgreich in die Arbeitswelt integriert werden können. Neben Melle und Sperveslage diskutierten Gerhard Albers, Leiter der Berufsbildenden Schulen des Landkreises Oldenburg, Stefan Bünting von der Industrie- und Handelskammer Oldenburg, Erwin Drefs von der Lebenshilfe Delmenhorst, Jürgen Lakeberg vom Integrationsamt Oldenburg, Silke Winkler, Vorstandsmitglied im Kreisbehindertenrat, Nicole Brengelmann und Hermann Weiden (Jobcenter).

Drefs leitete in das Thema ein. Er forderte: „Das oberste Prinzip ist, dass allen Menschen die gleiche Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht werden soll.“ Er stellte die UN-Behindertenrechtskonvention in Grundzügen vor und kam zu dem Schluss: „Wir müssen Diskriminierung in jeder Form verhindern.“ Dazu würde auch die Bildung und die anschließende Arbeitsstelle gehören, denn „die beiden Komponenten sind wichtiger Bestandteil des Lebens“.

Eine individualisierte Haltung sei Voraussetzung für die Betrachtung der Menschen mit Handicap. „Wir denken immer ,die Behinderten’, es muss jede Person einzeln gesehen werden.“

Bünting erklärte, „es gibt prädestinierte Berufe für Frauen und Männer mit einer Behinderung“. Beispiele seien Arbeiten im Büro, als Bauzeichner und als Servicefachkraft im Dialog-Marketing.


Sieben Mitarbeiter mit Handicap sind zurzeit bei K-Nord beschäftigt. Dazu gehören Martin Künzel und Matthias Erxleben, die sich den Gästen und Referenten vorstellten. „Das familiäre Umfeld ist für viele sehr wichtig“, betonte Melle.

Albers erkannte, dass noch viel gemacht werden müsse im schulischen Bereich: „Die Schule ist der Ausgangspunkt für den Beruf. Barrieren müssen abgeschafft werden.“

Christoph Tapke-Jost