Bremerhaven - Für zwei Tage wird Bremerhaven die Hauptstadt der Küste. Die führenden Wirtschafts- und Verbandsvertreter der maritimen Branchen kommen an der Wesermündung zusammen, um sich über die Perspektiven und notwendigen Weichenstellungen für Schiffbau und Schifffahrt, Hafenumschlag und Logistik auszutauschen. Aus Berlin kommt ranghoher Besuch: Am ersten Konferenztag spricht Kanzlerin Angela Merkel (CDU), am zweiten die Bundesminister Sigmar Gabriel (SPD) und Alexander Dobrindt (CSU). Es gibt viel zu bereden.
Gastgeber der Konferenz im doppelten Sinne ist Uwe Beckmeyer, SPD-Abgeordneter aus Bremerhaven und zuständiger Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft. Er wird die Eckpunkte der Strategie der Regierung für die maritime Wirtschaft vorstellen. „Die besondere Innovationskraft deutscher Unternehmen gerade auch im Bereich der maritimen Wirtschaft steht im Mittelpunkt unserer Politik“, sagt Beckmeyer. „Gerade auf diesem Feld muss zwingend eine verstärkte internationale Zusammenarbeit angestrebt werden. Dafür wollen wir in diesem Jahr die Türen öffnen.“
Die maritimen Branchen sind eingeklemmt zwischen zwei gegensätzlichen Trends. Langfristig, da sind sich die Forscher und Analysten einig, werden die Meere noch mehr an Bedeutung gewinnen - als Handelswege und als Nahrungsreservoir, als Lagerstätte von Rohstoffen und zur Energiegewinnung. Kurzfristig dagegen drücken Überkapazitäten in der Schifffahrt, niedrige Frachtraten, schwache Nachfrage nach Schiffen und im Offshore-Bereich auch der niedrige Ölpreis auf die Stimmung. Die maritimen Branchen sehen gute Zukunftschancen, aber es ging ihnen schon mal besser.
Die maritime Wirtschaft, das ist ein Sammelbegriff für Häfen und Werften, für Reedereien und Schiffsmakler, Umschlagbetriebe und Versicherungen, Spediteure und Logistiker. Entsprechend vielfältig sind die Interessen und Wünsche der diversen Verbände, die bei der Konferenz ihre Wünsche an die Politik vortragen. Ein Dauerthema bei allen ist die Logistik. „Optimierte Zufahrten zu den Binnen- und Seehäfen sowie leistungsfähige Hinterlandanbindungen sämtlicher Verkehrsträger sind entscheidend, um die steigenden Umschlagsmengen und die deutlich größeren Schiffskapazitäten zu bewältigen“, heißt es in einer Stellungnahme von sechs Verbänden aus den Bereichen Häfen und Spedition.
Die Reeder, deren Handelsflotte zuletzt schrumpfte, richten ihren Fokus auf die Beschäftigung unter deutscher Flagge. Erstmals seit Beginn der Schifffahrtskrise gibt es weniger als 7000 deutsche Seeleute. Gegenwärtig liegt in Berlin eine Initiative des Bundesrats vor, nach der die Reeder die Lohnsteuer der Seeleute künftig zu 100 statt zu 40 Prozent behalten dürfen. Doch die Reeder wollen auch Entlastung, etwa bei den Sozialversicherungsbeiträgen. „Die Maßnahmen sind ein notwendiger Beitrag, um das maritime Know-how aus der Seeschifffahrt für den gesamten Standort Deutschland zu sichern“, sagt Alfred Hartmann, Präsident des Verbands Deutscher Reeder (VDR).
Die Werften wollen mehr Forschungs- und Technologieförderung. Der Schiffbauverband wird nicht müde darauf hinzuweisen, dass die erfolgreiche High-Tech-Branche Schiffbau von der Regierung mit lediglich 50 Millionen Euro jährlich gefördert wird, die Luft- und Raumfahrt dagegen mit 1,5 Milliarden Euro. Gemeinsam mit der IG Metall Küste fordern die Schiffbauer eine Innovationsoffensive und ein Maritimes Forschungszentrum. „Es ist die wichtigste Aufgabe aller Anwesenden in Bremerhaven, dass alle gemeinsam Deutschland wachrütteln, damit es seine maritimen Chancen nicht verschläft“, betont Reinhard Lüken, Hauptgeschäftsführer des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik (VSM).
