Leer/Hamburg - Frust über die Politik, hohe Arbeitskosten, ein zunehmender Mangel an Fachkräften: 65 Prozent der norddeutschen Betriebe in der Metall- und Elektroindustrie beklagen, dass sich die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland in den vergangenen sechs Monaten verschlechtert habe. Das geht aus der Herbst-Konjunkturumfrage von Nordmetall, AGV Nord und den Arbeitgeberverbänden Oldenburg und Ostfriesland vor, deren Ergebnisse unserer Redaktion vorliegen und die an diesem Donnerstag beim Martinsgansessen von Nordmetall in Hamburg offiziell vorgestellt werden sollen. Im nordwestlichen Niedersachsen beklagen demnach sogar 84 Prozent eine sinkende Attraktivität des Standorts.
170 Betriebe befragt
„Noch nie waren so viele Arbeitgeber der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie so unzufrieden mit der Politik, der Höhe der Arbeitskosten und dem Ausmaß des Fachkräftemangels“, sagte Nordmetall-Präsident Folkmar Ukena. „Und noch nie haben so viele Unternehmen Produktionsverlagerungen ins Ausland geplant“, ergänzte der geschäftsführende Gesellschafter der Leda-Werke in Leer. Der Umfrage unter 170 Unternehmen aus dem nordwestlichen Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mit rund 108.000 Beschäftigten zufolge, planen 21 Prozent Produktionsverlagerungen ins Ausland. Laut Nordmetall sei dies ein Höchststand und ein fünfmal höherer Wert als vor zehn Jahren.
Fordert eine industriefreundlichere Politik: Nordmetall-PräsidentFolkmar Ukena aus Leer Foto: Augustin/Nordmetall
85 Prozent der befragten Betriebe erklärten, dass hohe Arbeitskosten ihnen das Geschäft zunehmend erschwerten – ebenfalls ein Rekordwert. Im nordwestlichen Niedersachsen sind es sogar 96 Prozent. 73 Prozent der Betriebe machen die hohen Energiekosten zu schaffen (Nordwesten: 84 Prozent) und 71 Prozent bezeichneten den Mangel an Arbeitskräften als erheblichen Negativfaktor (Nordwesten: 64 Prozent). Neue Gesetze bewerteten demnach 52 Prozent der Arbeitgeber in der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie als erschwerende Wirtschaftsfaktoren (nordwestliches Niedersachsen: 76 Prozent).
Investitionen bleiben aus
„Wir müssen leider konstatieren, dass zunehmend Investitionen in den Standort Deutschland ausbleiben, und dieser Prozess nur gestoppt werden kann, wenn die Politik endlich massive Anstrengungen unternimmt, um die sehr schlechten Rahmenbedingungen umgehend zu verbessern“, meinte Ukena. Er forderte die Bundesregierung auf, eine industriefreundlichere Politik umzusetzen. „Die fatalen Folgen der Energiepreisexplosion müssen endlich gestoppt werden, statt durch unnötig abgeschaltete Kernkraftwerke, den lahmenden Ausbau der Erneuerbaren Energien und eine politische Fehlleistung namens Heizungsgesetz verstärkt zu werden.“
