Wilhelmshaven - Drei Räume, zwei Toiletten, 80 Quadratmeter in zentraler Lage an Wilhelmshavens Bismarckstraße – so könnte schon bald die Praxis aussehen, in der Heroinabhängige mit dem Ersatzstoff Methadon versorgt und medizinisch betreut werden können.
Die Stadt Wilhelmshaven hat dem Hausarzt Matthias Abelmann nun doch zugesagt, sich an der Miete für eine so genannte Substitutionspraxis zu beteiligen. Darüber informierte Sozialdezernent Jens Stoffers den Ausschuss für Soziales und Gesundheit. In den nächsten Tagen will die Stadt mit Abelmann alles vertraglich festlegen. „Ich hoffe, in der nächsten Ausschusssitzung den endgültigen Vollzug verkünden zu können.“
Vorvertrag mit Vermieter
Die genaue Höhe des Zuschusses wollte Stoffers nicht nennen. Die Summe sei aber verhältnismäßig gering. Zudem hat der Landkreis Friesland zugesagt, 20 Prozent des Zuschusses zu übernehmen, da auch aus dem Landkreis Suchtpatienten mit dem Ersatzstoff Methadon in Wilhelmshaven versorgt werden.
Matthias Abelmann bestätigte auf Anfrage, dass es bereits einen Vorvertrag mit dem Vermieter und die Option eines Mietvertrags über fünf Jahre gebe. Der Vermieter soll die Immobilie nun entsprechend herrichten. Von der Stadtverwaltung Wilhelmshaven habe Abelmann bislang die mündliche Zusage, sich mit einem monatlichen Zuschuss zu beteiligen. Das unternehmerische Risiko trägt der Mediziner.
Zuvor hatte die Stadtverwaltung immer wieder betont, sich an den laufenden Kosten einer Substitutionspraxis nicht finanziell beteiligen zu wollen und verwies mehrfach an die Kassenärztliche Vereinigung, die eigentlich für die Sicherstellung der medizinischen Versorgung zuständig ist. Ein weiteres Problem waren bislang die von der Stadt Wilhelmshaven kostenlos zur Verfügung gestellten Räume, die zur Behandlung von Methadonpatienten ungeeignet und zudem in schlechtem Zustand sind.
Ungeeignete Räume
Zurzeit stellt die Stadt Räume in der ehemaligen Ruseler Schule, das Gebäude steht aber langfristig zum Verkauf. Zuletzt hatte der Sozialausschuss die Verwaltung beauftragt, eine geeignete Immobilie aus dem Bestand des Eigenbetriebs Grundstücke und Gebäude (GGS) zu finden – ohne zufriedenstellendes Ergebnis.
Durch die Eröffnung einer Substitutionspraxis erhofft sich Abelmann nun eine bessere Versorgung der Suchtkranken. Neben zwei weiteren Ärzten ist er zurzeit letzte Anlaufstelle für Methadonpatienten in Wilhelmshaven. Aufgrund der Arbeitsbelastung nimmt Abelmann schon lange keine weiteren Patienten auf.
Mit der Vergabe des Methadons sei es nicht getan, da die Betroffenen häufig an Mangelerkrankungen und Infektionen leiden und zudem psychologisch betreut werden müssten. In seiner Hausarztpraxis sei diese Arbeit nicht ohne Konflikte mit anderen Patienten zu leisten.
