Papenburg - Die Folgen der Corona-Pandemie haben die Papenburger Meyer Werft in starke Bedrängnis gebracht. Die Kurzarbeit war erst jüngst bis Ende Juni dieses Jahres verlängert worden.
Doch nun droht erneut Ungemach. Aus einem Flugblatt der IG Metall, das am Montag vor den Toren der Werft verteilt wurde, geht hervor, dass 650 Arbeitsplätze in Gefahr sind – sowohl bei der Meyer Werft als auch beim Tochterunternehmen Ems Maritime Services (EMS).
Arbeiten ohne Bezahlung
Das Schreiben beruft sich auf zwei Verhandlungsrunden zwischen Mitarbeitervertretern und der Geschäftsleitung. Demnach solle zusätzlich jeder verbleibende Mitarbeiter 200 Mehrarbeitsstunden ohne Bezahlung leisten. Sei dieser Verzicht nicht möglich, stünden weitere 300 Arbeitsplätze vor dem Aus, teilten Gewerkschaft und Betriebsrat in dem Flugblatt mit.
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Die Meyer Werft hat mit dem Bau eines neuen Kreuzfahrtschiffes für die britische Reederei P & O Cruises begonnen. Am Montag sei der sogenannte Brennstart für die „Arvia“ erfolgt, teilte der Papenburger Schiffbauer mit. Das neue Kreuzfahrtschiff soll nach Angaben der Werft im kommenden Jahr fertiggestellt werden.
Die „Arvia“ ist das Schwesterschiff der 344 Meter langen und für rund 5200 Passagiere zugelassenen „Iona“, die die Meyer Werft im Herbst 2020 an P & O Cruises abgeliefert hatte. Der Luxusliner sei vor allem auf die Vorlieben britischer Passagiere zugeschnitten und werde vollständig mit emissionsärmerem Flüssiggas (LNG) angetrieben.
Auf Nachfrage unserer Redaktion erklärte Werftsprecher Peter Hackmann, dass „es momentan Gespräche gibt“. Details seien noch „am Verhandlungstisch zu besprechen“. Zu Zahlen, Daten und Fakten wollte sich Hackmann mit Verweis auf laufende Verhandlungen nicht äußern.
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Die IG Metall Leer-Papenburg zeigte sich enttäuscht von den Plänen der Geschäftsleitung. „Wir stehen für weitere Gespräche zur Verfügung, allerdings nicht zu diesen Konditionen. Das ist in keiner Art und Weise akzeptabel, der Mitarbeiterbeitrag ist viel zu hoch“, sagte Thomas Gelder, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Leer-Papenburg, auf Nachfrage unserer Redaktion.
Sorge vor „Drehtüreffekt“
Besonders brisant sei aus seiner Sicht, dass „Stammmitarbeiter bereits angesprochen worden sind, ob sie in Werkverträge wechseln möchten. Das wäre dann ohne Tarif und Mitbestimmung“, sagte Gelder. Dieser Schritt sei auch insofern nicht plausibel, da noch sieben Kreuzfahrtschiffe gebaut werden müssten, erklärte er. „Werkarbeiter sind immer für die Arbeitsspitzen geholt worden. Wir befürchten hier einen Drehtüreffekt zulasten der Stammbelegschaft.“
Dieser Meinung ist auch Betriebsratsvorsitzender Nico Bloem. „Arbeit ist noch genug da, viele Werkvertragsarbeiter sind nach wie vor vor Ort. Wir brauchen daher keine betriebsbedingten Kündigungen“, sagte er unserer Redaktion. Wenn die Geschäftsleitung eine Mitarbeiterbeteiligung einfordere, so müsse sie laut Bloem „auch die Bücher offenlegen und nachweisen, dass das nötig ist“. Gleichwohl sei den Beschäftigten klar, dass auch sie einen Teil dazu beitragen müssen, um die Zukunft der Werft zu sichern, erklärte Bloem. „Sie sind bereit etwas zu geben, aber nicht in dieser Höhe.“ Außerdem seien „nachhaltige Lösungen“ gefordert. „Die Beschäftigten brauchen eine Perspektive“, sagte er.
Rund 300 Mitarbeiter haben das Unternehmen bereits verlassen. Dazu zählten unter anderem ausgelernte Azubis ohne neuen Vertrag, zeitlich befristete Stellen, und Kündigungen in der Probezeit. Einige Beschäftigte hätten auch selbst gekündigt, erklärte Bloem.
Wann die nächsten Gespräche stattfinden, ist noch unklar. Man befinde sich darüber im stetigen Austausch, hieß es.
