Cloppenburg - „Ich erwarte hier keine Jubelstürme.“ Die Erwartungen des niedersächsischen grünen Agrarministers Christian Meyer sind nicht gerade optimistisch gewesen, als er am Donnerstag die Cloppenburger Münsterlandhalle in der in fünfter Auflage das von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft organisierte Fachforum Geflügelmast stattfand, betrat. Aber entgegen mancher Ankündigung hielten sich die Bauern – in der Mehrheit Geflügelmäster – zurück.

„Die folgenden Osnabrücker Friedensgespräche werden wohl nicht so kontrovers sein“, meinte der aus Holzminden stammende Landespolitiker, seit 830 Tagen im Ministeramt in Niedersachsen. Schnell wurde bei der Präsentation des Tierschutzplanes allerdings auch klar, dass Meyer sich auch in schwieriger Materie inzwischen bestens auskennt.

„Es ist einiges in Bewegung“, meinte Meyer. Voran das Oldenburger Münsterland, das mit der Zeit gegangen sei.

Aber auf diesem Weg zum größeren Tierwohl und bei der Umsetzung des Planes habe er auch schnell erkannt, dass es „Tierschutz nicht zum Nulltarif gibt“. Teure Technik, besseres Futter, Spielmaterial – all das müsse honoriert werden. „Schade nur, dass nicht alle mitmachen.“ Aber denen sei ins Stammbuch geschrieben, dass es einen Wettlauf nach unten nicht geben werde. „Dabei bin ich aber kein Freund von Zollstock-Tierschutz.“ Letztlich sollten aber nur die Landwirte, die sich intensiv kümmerten, die geltenden Maßstäbe „voll ausschöpfen dürfen“.

Die „sanfte Agrarwende“ erfordere eine Umstellung der Förderung, das Ende der Flächenprämie und die Einführung von Tierschutzplänen für Mehrleistungen. Beispiel: drei Cent mehr pro Ei für Verzicht auf die Schnabelkürzungen. „Wer nichts tut, fällt aus dem System“, drohte er an.


In der Diskussion wurde aber dann doch deutlich, auf welcher Seite die Landwirte standen. Kontroverse drückte sich durch spärlichen Applaus aus. Friedrich-Otto Ripke, der Vorsitzende des Geflügelwirtschaftsverbandes, bemängelte die Eile bei der Umsetzung mancher Vorgabe. Und auch die Kritik an den unangemeldeten Kontrollen – „Wir lassen uns nicht in eine Ecke stellen“ – fand deutlich größeren Beifall als der Redebeitrag des Ministers. Die Forderung nach dem „Ende des tagtäglichen Mobbings aus dem Ministerium“ wurde Meyer mit auf Weg zu den Osnabrücker Friedensgesprächen gegeben.