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Tierschutz „Bilder von gequälten Hunden im Kopf“

Rahel Arnold

MIDDELSFäHR - Tally, Bambo und Sammy liegen auf den Kissen dreier Gartenstühle und dösen vor sich hin. Über ihnen ziehen weiße Wolken am blauen Himmel vorbei. Es ist warm. Tally gähnt ausgiebig und entblößt seine kleinen spitzen Zähne. Bambo hat den Kopf auf die Pfoten gelegt und beobachtet sein Frauchen Sabine Bijnen aus den Augenwinkeln. Sammy kratzt sich verschlafen am Ohr. Die Szene wirkt idyllisch. Die drei kleinen Hunde wirken glücklich.

Das war nicht immer so. Tally und Sammy stammen aus einer sogenannten Perrera, einer Tötungsstation in Jerez, Spanien. Bambo wurde auf der Autobahn aus einem fahrenden Auto geworfen, weil seine Menschen ihn nicht mehr haben wollten. Er kam nur knapp mit dem Leben davon, berichtet Sabine Bijnen. Die drei kleinen Hunde verbindet ein gemeinsames Schicksal, eines das typisch ist für viele Hunde in Spanien. „Dort haben die Hunde keinen Stellenwert für die Menschen“, sagt Sabine Bijnen: „Und das, obwohl die meisten Hunde ein tolles Wesen haben. Sie sind bescheiden, freundlich und anpassungsfähig“.

Bijnen zufolge werden die Tiere in Spanien im besten Fall als Gebrauchshunde eingesetzt oder als Weihnachtsgeschenk an spanische Kinder verteilt, die sie solange behalten, bis sie ihnen lästig werden. Im schlechtesten Fall werden sie gequält, müssen hungern, haben kein Zuhause und werden von Hundefängern oder Privatpersonen in Tötungsstationen abgegeben. Dort liegen sie, ihrer Lebensgeister beraubt, in kleinen Käfigen und warten auf den Tod. Sieben bis 21 Tage, das ist die Frist, die ihnen bleibt, bevor sie sterben müssen, erzählt Bijnen: „In dieser Zeit sollen die Hunde eigentlich an neue Besitzer vermittelt werden, aber das passiert so gut wie nie.“

Die 44-jährige Tierschützerin aus Middelsfähr wurde in einem Spanienurlaub 2005 auf das Elend der Hunde aufmerksam.

Von Elend schockiert

„Viele Menschen nehmen von ihrem Urlaub Bilder von Strand, Meer und Sonne mit. In meinem Kopf hatte ich nur Bilder von kranken, abgemagerten, toten oder verletzten Hunden – die haben mich nicht mehr losgelassen“, berichtet sie. So kam sie zu ihrem ersten Hund aus Spanien. Zeitgleich begann sie, sich im Tierschutz zu engagieren.


2010 gründete sie ihren eigenen Tierschutzverein „Hunderettung-aktiv“. Der Verein zählt heute rund 60 Mitglieder und verfügt über 22 Pflegestellen in Deutschland. „Wir arbeiten in Spanien mit zwei Partnerinnen eng zusammen, die wir auch persönlich kennen“, sagt Bijnen. Marisol Castro unterstützt den Verein in Jerez und Maria del Mar Garcia Tomas bereut Hunde in Villena-Alicante.

Sabine Bijnen steht in ständigem Kontakt mit den beiden spanischen Frauen. Ihr sei es besonders wichtig, dass die Hunde dort gut versorgt werden, die Partner zuverlässig sind und korrekt arbeiten. Ihr Verein sei beim Zweckverband Veterinäramt JadeWeser registriert. „Es reisen nur gesunde Hunde aus Spanien aus, die Tiere verfügen über einen EU-Ausweis, haben alle erforderlichen Impfungen, sind gechipt und entwurmt. Die erwachsenen Tiere sind kastriert und alle Hunde sind auf Mittelmeerkrankheiten getestet“, sagt sie.

Auch hätten die Hunde eine sogenannte „Trace-Bescheinigung“. Verfügt ein Hund über eine solche Bescheinigung, wurde er vor der Abreise nicht nur vom Tierarzt der spanischen Tierschützer untersucht, sondern auch vom jeweils zuständigen Veterinäramt in Spanien. Die Amtstierärzte lesen den Chip aus, kontrollieren alle Daten auf Richtigkeit und Vollständigkeit, überprüfen den EU-Ausweis und stellen die Bescheinigung aus, die auch Auskunft gibt über die zukünftigen Besitzer in Deutschland und den Einreiseweg des Hundes.

„Kontrolle wichtig“

„Wir begrüßen die starke Kontrolle durch die Veterinärämter. Das hilft, die Einreise von kranken Hunden und den illegalen Handel mit ihnen zu stoppen“, sagt Bijnen. Für Tierschutzvereine, die sich nicht an die Regeln halten, oder für Händler, die unter dem Deckmantel des Tierschutzes Profit machen, hat Sabine Bijnen kein Verständnis. „Solche Menschen machen mich wütend, nicht nur wegen der Hunde, sondern auch, weil sie ein schlechtes Licht auf seriöse Tierschützer werfen“, sagt sie.

Neben dem aktiven Tierschutz ist der Verein auch mit Präventionsarbeit und dem Schreiben von Petitionen an die spanische Regierung beschäftigt. „Es muss ein Umdenken in der spanischen Bevölkerung stattfinden, solange das nicht passiert, ist unsere Arbeit nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, so Bijnen. Aber zumindest für Tally, Bambo und Sammy sowie für viele andere Hunde war der besagte Tropfen lebensrettend.

Der Verein

„Hunderettung-aktiv“ wurde 2010 gegründet und hat Mitglieder in ganz Deutschland, viele davon in Norddeutschland.

Vorsitzende des Tierschutz-Vereins ist Sabine Bijnen, Pappelweg 6, in Middelsfähr, Telefon 04421/ 972131; Mobil: 0174/ 9784910. E-Mail: sabinebij66@hotmail.com

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