In der nächsten Folge
schildern wir, wie sich der Lindwurm auf Nordenham zubewegt.
Die Blockade war ein Happening. Zu Zwischenfällen kam es nicht.
von henning bielefeld
NORDENHAM - Es sollte eine ganz große Sache werden: Am 13. und 14. Oktober 1983 wollten Rüstungsgegner den Nordenhamer Midgard-Hafen blockieren. Es sollte ein Fanal gegen den Munitionsumschlag sein. Es wurde aber mehr eine für Nordenhamer Verhältnisse ziemlich alternative Party. Der Wellenschlag der Friedensbewegung hatte das Nordenhamer Ufer erreicht.Es waren 15 fröstelnde Friedensfreunde, die morgens um kurz vor sechs den zur Schicht anrückenden Hafenarbeitern Flugblätter in die Hand drückten. Polizeibeamte und Betriebsrats-Chef Georg Brunßen passten auf, dass nur Mitarbeiter durchs Werkstor kamen. Gegen 13 Uhr machten sich rund 250 Demonstranten vom Sandinger Weg in Richtung Midgard auf. Dort hatten sie als Zentrale ein Festzelt aufgestellt.
Insgesamt beteiligten sich rund 500 Demonstranten, darunter 20 Hochschullehrer aus Oldenburg und ein großer Teil der Grünen-Landtagsfraktion, an der Blockade. Organisiert wurde die Blockade vom so genannten Arbeitskreis Wesermarsch (AKW), einem Zusammenschluss von 42 Organisationen, darunter die Nordenhamer Grünen und die Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz (AGU) mit Walbert Strahlmann und Gertrud Becker. Besonders das Unikum Walbert Strahlmann gab sich die größte Mühe, die Stimmung mit kecken Sprüchen aufzuhellen.
2000 Polizeibeamte waren in Bereitschaft, doch Zwischenfälle blieben aus. Als abends zwei Laster durchfahren wollten, trug die Polizei einige Blockierer weg, die Laster fuhren durch, dann setzten sich die jungen Leute wieder vor das Hafentor. „Ich habe die Polizei ganz dringend gebeten, das ganz sanft und lieb zu machen“, sagte der Midgard-Chef Bruno Krenzien im NWZ -Interview. Am nächsten Tag endete die Blockade nach 28 Stunden in lockerer Stimmung.
Wenig später expandierte die Midgard nach Norden: Sie kaufte das 220 000 Quadratmeter große Firmengelände der Asbestos Corporation, die hier von 1971 bis 1984 bis zu 90 000 Tonnen Rohasbest im Jahr für den deutschen und den europäischen Markt hergestellt hatte. Hier errichtete der Seehafen-Dienstleister eine Umschlaganlage für wetterempfindliche Massengüter wie Düngemittel oder Erze. Ein Schwerpunkt wurde die Holzbearbeitung. Dafür wurden Ende der Achtzigerjahre ein Sägewerk und eine Holztrocknungsanlage geschaffen. Zusammen mit dem Holzumschlag im Nordenhamer Hafen konnte der Holzindustrie damit ein Rundum-Service angeboten werden. Die Midgard avancierte zum führenden Dienstleister im Holzumschlag und -handel in Europa mit einem Jahresumschlag von bis zu 170 000 Tonnen.
Auch Getreide aus EU-Überschüssen wurde Ende der Achtzigerjahre in Einswarder Hallen gelagert. Am 360 Meter langen Kai können Schiffe mit bis zu 80 000 Tonnen Fracht anlegen.
Im Nordenhamer Hafen spezialisierte sich das Unternehmen Anfang der Achtzigerjahre zusätzlich auf ein integriertes Abfertigungssystem für Industrieanlagen und Module. Sie konnten jetzt im Hafen montiert und in einer Halle für den Seetransport verpackt werden.
Schlagzeilen machte der Hafenbetrieb mit einer weiteren Investition. Kurz vor Weihnachten 1986 wurde der Doppellenker-Drehwippkran aufgestellt. Er war seit August in Bremerhaven montiert worden. Mit 85 Metern Höhe war er ein neues Nordenhamer Wahrzeichen. Was damals nicht verraten wurde: Nicht die Midgard hatte ihn gekauft, sondern die Stadt mit Förderung durch das Land. Die Midgard zahlt Pacht für den Kran, der 950 Tonnen wiegt, bis zu 48 Meter Ausladung hat und maximal 65 Tonnen heben kann.
Die Midgard
feiert 100-jähriges Bestehen. Die NWZ zeichnet in dieser Serie die Geschichte des Betriebs nach.In Einswarden
entstand ein
Zentrum zur
Holzbearbeitung
