Hannover - Persönliche Beratung kontra zentralisierte Abfertigung: Ein Pilotprojekt der Industrie- und Handelskammern (IHK) Hannover und Braunschweig hat dazu beigetragen, deutlich mehr ausländische Berufsabschlüsse anzuerkennen. Das Modell mit einer ortsnahen Beratung habe sich bewährt, betonten die Organisatoren: „Bundesweit kommt nahezu jede zehnte IHK-Anerkennung eines ausländischen Abschlusses aus der Metropolregion Hannover-Braunschweig.“ Drei Jahre nach dem Start liege die Anzahl demnach doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.
Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) würdigte den „mutigen Schritt“ als wegweisend, bevor er am Donnerstag das 500. Diplom an die in Kasachstan geborene Kauffrau Liliya Marz übergab. Lies: „Es macht Sinn, diese dezentralen Strukturen zu übernehmen.“
Die Nachfrage sei in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich gestiegen, erklärte der Hauptgeschäftsführer der Niedersächsischen IHK-AG, Horst Schrage. Die Initiative ist seinen Angaben zufolge bundesweit einmalig. Menschen, die mit ausländischen Qualifikationen hierzulande arbeiten wollten, erhielten fachliche Beratung und die Anerkennung aus einer Hand – normalerweise entscheidet eine Zentralstelle in Nürnberg darüber.
„Andere Kammern hatten Angst vor der Komplexität“, sagte Schrage, der von großen Anfangsproblemen sprach, die nötige Sprachkompetenz zu organisieren. Bei dem Pilotprojekt sind drei Mitarbeiter mit der Beratung beschäftigt, die insgesamt zehn Sprachen beherrschen. Die Kosten werden weitgehend durch Gebühren gedeckt, die wiederum die Agentur für Arbeit in der Regel trägt. Da die IHK auch die Erstanlaufstelle für die Anerkennungsberatung von Hochschul- und anderen Abschlüssen ist, befasste sie sich in den drei Jahren mit knapp 3100 Fällen.
Von den 500 Anträgen auf Anerkennung wurden 354 voll anerkannt – beim Rest war eine Zusatzqualifizierung nötig. Zu den wichtigsten Herkunftsländern zählten Polen (143 Anträge), die Türkei (54), Russland (41), Spanien (41) und Bosnien und Herzegowina (29). Viele Abschlüsse betrafen Berufe wie Elektroanlagenmonteur (37), Kaufmann für Büromanagement (35), Hotelfachkraft (32), Kaufmann im Einzelhandel (31) oder Industriemechaniker (25). Zu den Ausländern gehörte auch ein in Deutschland lebender britischer Panzerkommandant, der seine Ausbildung hier anerkennen ließ.
