Grabstede - „Genau am 19. Mai vor 25 Jahren bin ich das erste Mal losgefahren und habe unsere Milch direkt zu den Kunden gebracht. Elf Kunden waren das, und wir hatten damals nur Milch in 3-Liter-Flaschen“, erinnert sich Jutta Meinen. Mit Schreibmaschine hatte die Familie Handzettel geschrieben, auf denen sie damit warb, Milch direkt vom Hof zum Kunden zu bringen. „Ich bin damals jubelschreiend über den Hof gelaufen, als der erste angerufen hat, dass er Milch haben will.“ Heute geht mehr als die Hälfte der Milch, die auf dem Hof in Grabstede produziert wird, in die Direktvermarktung. Die Kühe auf dem Hof geben rund 2500 bis 3000 Liter Milch am Tag.
„Milch alleine reicht eben nicht“, sagt Jutta Meinen. Auf den Preis, den er für sein Produkt von der Molkerei bekomme, habe der Landwirt keinen Einfluss. „Da fühlt man sich hilflos. Wir wollten, dass die Kunden unser Produkt direkt bei uns kaufen.“
Die Direktvermarktung auf dem Milchhof Meinen ist eine Erfolgsgeschichte. Mittlerweile sind mehr als 20 Mitarbeiter für die Milchverarbeitung und Auslieferung zuständig.
Zwanzig Jahre lang stand auch ein Glas-Kühlschrank auf dem Hof, aus dem sich die Kunden die Milch direkt rausholen konnten. Aber nur wenige haben es getan. Seit einem Jahr kann jeder direkt an der Hauptstraße am Automaten Milch und Milchprodukte kaufen. „Das erwärmt wirklich mein Herz, wenn ich daran denke, wie gut das von den Grabstedern, Bockhornern, Neuenburgern und auch den Varelern angenommen wird“, sagt Jutta Meinen. „Es ist echt unglaublich, wie viele Jugendliche und junge Erwachsene an der Milchtankstelle kaufen. Sogar nachts, wenn sie von einer Party kommen, sitzen die jungen Leute noch an der Milchtankstelle und trinken einen Kakao. Das kann man sich gar nicht vorstellen und wir hätten das auch nicht gedacht, dass es so gut läuft.“
Am Mittwoch, als das Thermometer an der 20-Grad-Marke kratzte, war der Andrang besonders groß: Der Milchhof verkauft im Automaten jetzt auch selbst gemachtes Eis in kleinen Portionen. „Ich bin gespannt, wie das ankommt. Es ist ziemlich mühselig, das Eis per Hand mit einem Löffel in die Becher einzufüllen.“ Wie die Becher aussehen sollen, darüber habe sie den halben Winter nachgedacht. „Unsere Marketing-Abteilung ist der Familienrat“, sagt Jutta Meinen.
Sich nicht vor Neuem zu scheuen, das sei eine wichtige Eigenschaft für Landwirte, sagt auch Wilfried Meinen. Da ist Sohn Sönke, der gerade seinen Landwirtschafts-Meister macht, ganz seiner Meinung. Die beiden Männer hatten die Idee, den Hof auf Bio-Produktion umzustellen. Ab September wird es nur noch „Bioland“-Milch geben. Die Umstellung läuft seit Mai vergangenen Jahres, sie besteht im Wesentlichen darin, dass auf den Wiesen weder Mineraldünger noch Spritzmittel eingesetzt werden dürfen.
