Nach dem Beschluss der EU-Agrarminister zur
Erhöhung der Milchquote sehen sich die Milchbauern vor einer
dramatischen Situation. Die deutsche Politik habe sich dem Druck der
großen Konkurrenten gebeugt, sagte der Landesvize des Bundesverbandes
der Deutschen Milchviehhalter (BDM), Ludwig Soeken, am Montag im
ostfriesischen Timmel (Kreis Aurich). Trotz der Proteste von
Milchbauern hatten die EU-Minister vergangene Woche in Brüssel
entschieden, die Milchquote bis zum Jahr 2013 um je ein Prozent zu
erhöhen. Mit dieser Politik werden die Interessen der Verbraucher
und Erzeuger missachtet, sagte Soeken.
Die EU-Entscheidung gehe am Markt vorbei, dessen Spielregeln durch
den starken Einfluss von Lobbyisten außer Kraft gesetzt seien,
kritisierte Soeken. Es sei zu viel Milch auf dem Markt, und die
Erzeugerpreise seien erheblich zu niedrig. Für den Oktober habe sein
Betrieb nur rund 25 Cent pro Liter Milch bekommen - zu wenig, um die
Produktionskosten von 40 bis 45 Cent zu decken. Dies führe absehbar
zum Ruin vieler Milchbauern.
Was künftig mit der zu viel produzierten Milch geschehen soll, sei
unklar, sagte Soeken weiter. Für das Jahr 2009 werde in der EU mit
einem Überschuss von rund 3,8 Prozent gerechnet. Es mache keinen
Sinn, diese Masse mit Subventionsmitteln zu exportieren oder zu
vernichten. Für eine nachhaltige Milcherzeugung in Europa sei eine
flexible Mengensteuerung notwendig, die Angebot und Nachfrage
ausbalanciere.
Im kommenden Jahr will der Verband stärker auf europäischer Ebene
politisch arbeiten und nach neuen Aktionsformen suchen. Im Sommer
hatten Tausende Milchbauern für einen höheren Lieferpreis gestreikt
und ihre Lieferungen gestoppt.
