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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Zuchtvieh: Milchbauern feiern trotz Hagel und Sturm

05.01.2017

Cloppenburg „Vielleicht 1500 Euro“, schätzte Bernd Hatke vorher. Der „Goldwin“-Enkelin, gerade 27 Monate alt und vor sechs Wochen gekalbt, hatte der Züchter aus Bösel noch nicht einmal einen Namen gegeben. 31,5 Liter Milch gibt sie aktuell pro Tag. Doch Auktionator Michael Hellwinkel musste die vielen Käufer bei der ersten Masterrind-Zuchtviehauktion des Jahres in Cloppenburg nicht besonders auffordern, die Gebote kamen im Takt und bei 1900 Euro fiel der Hammer. 400 Euro mehr als erwartet.

So ähnlich ging es am Dienstag in der 90 Jahre alten Cloppenburger Münsterland-Halle fast allen Rinderzüchtern. Insgesamt 386 Färsen, einige Kühe und Bullen wurden bei deutlich anziehenden Preisen versteigert. Den Höchstpreis erzielte „Florida“, eine Spitzenfärse vom Hof Langenhorst (Herzlake-Aselage), die für 2500 Euro in einen Stall nach Bayern ging.

Der Grund liegt auf der Hand. Die Milchpreise hatten sich nach dem Ende der Quote vor 21 Monaten so präsentiert wie am Dienstag das Wetter: Sonnenstrahlen beim Auftrieb, dann Hagel, heftiger Regen und Donner. Jetzt geht es nach einem Tief von unter 20 Cent wieder nach oben. An der Börse pendelte sich der Preis gar bei 36 Cent ein.

Ralf Strassenmeyer, der bei Veranstalter Masterrind vor einer Woche den in den Ruhestand verabschiedeten Marketing-Leiter Hartmut Zingel abgelöst hatte, strahlte auf dem Podium. „Die Milchbauern wollen die Produktion wieder ankurbeln und investieren“, meinte er. Milchbauern aus den neuen Bundesländern würden verkaufen; Kühe aus Cloppenburg und Vechta würden auch nach Italien veräußert.

Das zeigte sich am Ring. Gleich vier Aufkäufer aus Italien überboten sich gegenseitig. Mauro Rigtelli hatte schon nach einer Stunde die ersten zehn Kühe ersteigert. Fabrizio de Poda – ebenfalls aus der Poebene – achtete auf die Milchleitung. 68 Kühe gehen heute nach Bergamo auf die Reise. So erhielt Franz Meyer (Friesoythe) für die 26 Monate alte Färse „Olga“ 1950 Euro. „Zufrieden“, meinte er. Fünf milchstarke Rinder führte er in den Ring.

Die Verkäufer boten durchweg „überschüssige“ aber gute Rinder an. Die meisten wollen nicht mehr produzieren als bisher. Thomas Müller (Edewecht) will sogar runter vom Bestand. Ein Teil der Milchkühe – 30 von 60 – soll verkauft werden. Aus familiären Gründen muss er kürzer treten. „Einen Zehn-Stunden-Tag nur für die Kühe kann ich mir nicht mehr erlauben.“

Mark Jeddeloh (Wardenburg) verkaufte zwei Färsen. „1200 bis 1300 Euro“ erwartete er. Es wurden bei der ersten Färse gleich 1750 Euro. Sie geht nach Holstein.

Nicht ganz zufrieden ist Jeddeloh mit dem Milchpreis. 35 Cent/kg seien zwar deutlich mehr als zuletzt, aber damit seien lediglich die Kosten zu decken. Am liebsten würde er bald die Herde aufstocken. Doch die Baugenehmigung sei schwierig zu bekommen. Es ist wie überall: Die Fläche ist die neue Quote.

„Wir mussten ja bisher Geld mitbringen“, meint Georg Tellmann. 20 Cent war sein Tal. Heute werden mindestens 31 Cent gezahlt; die Molkerei Ammerland liegt sogar um vier Cent darüber. Sohn Werner Tellmann hat den Betrieb in Molbergen übernommen. Ob Jan, der Enkel, anschließend weitermacht, sei noch nicht geklärt.

Die Tellmanns sind ein Beispiel: 12 200 Kilo Milch geben seine 50 Kühe im Schnitt. Weniger Kühe geben heute mehr Milch als früher. Die Steigerung resultiert im Wesentlichen aus verbesserten Futtermitteln, einer optimierten Stallhaltung sowie immer neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen für die Zucht und Aufzucht der Tiere.

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Bei attraktiven Preisen steigt die Milchproduktion. Das ist eine Folge der Marktwirtschaft so wie der oft beklagte Schweinezyklus.

Wenn dann aber die Nachfrage am Weltmarkt sinkt, kann die produzierte Milch nicht mehr abgesetzt werden. Der Preis sinkt. Einige Milcherzeuger versuchten 2016 durch eine erhöhte Milchproduktion jeden Monat genauso viel Geld zu verdienen wie zu den Zeiten mit guten Preisen. Durch dieses inverse Angebotsverhalten halfen sie vielleicht ihrem eigenen Betrieb, verschlechterten aber die Aussicht auf eine schnelle Besserung für die Gesamtbranche.

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