Hannover - Den Internationalen Tag der Milch am 1. Juni begehen Niedersachsens Milchbauern in diesem Jahr in Sorge. Die weltweite Überproduktion und der Handelsstopp mit Russland haben die Milchpreise in den Keller sinken lassen. Die meisten Betriebe hätten derzeit große Liquiditätsprobleme, teilten die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen und der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter mit.

Niedersachsen ist nach Bayern das Bundesland mit den meisten Milchkühen. Es gibt hier knapp 800 000 Milchkühe in gut 10 000 Betrieben. Seit der zweiten Jahreshälfte 2014 ist der Preis, den die Landwirte von den Molkereien bekommen, auf Talfahrt, sagt Jan Heusmann, Vorsitzender der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen. Jetzt sei der Tiefpunkt erreicht. „Das belastet die Liquidität der Betriebe sehr stark“, sagte er. Es werde für viele Betriebe auch zu Strafzahlungen kommen, weil sie gegen die Ende März ausgelaufene Milchquote verstoßen hätten. „Es ist nicht gelungen, einen gleitenden Ausstieg hinzubekommen.“

Wie viel die Betriebe für das Kilo Milch bekommen, schwanke von Molkerei zu Molkerei, sagt Heusmann. „Wir kriegen zurzeit 29 Cent, aber es ist absehbar, dass das in den kommenden Monaten noch einen Tick runtergehen wird.“

Viele Betriebe könnten derzeit nicht alle Kosten aus ihren Erlösen finanzieren und seien auf Darlehen von der Bank angewiesen, sagt der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, Hans Foldenauer. „Die Milchpreisentwicklung trifft vor allem die Betriebe, die sich weiterentwickelt und investiert haben“, erklärt er. Zwar seien die Jahre 2012 und 2013 gut gewesen, aber damit habe man nur Schulden aus dem vorangegangenen Preistief tilgen können. „Große Rücklagen konnte man da nicht bilden“, berichtet Foldenauer.