Berlin - Die Erzeugerpreise für Milch sinken immer weiter. Einzelne Molkereien in Niedersachsen hätten bereits Preise von weniger als 20 Cent pro Kilo Milch angekündigt. Das sagten der Vizepräsident des niedersächsischen Landvolks, Albert Schulte to Brinke, und der Marktreferent der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen, Frank Feuerriegel, am Dienstag. Zuvor hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet, dass wegen des Überangebots an Milch einzelne Molkereien nur noch Preise von 18 bis 19 Cent zahlen wollten. Der größte deutsche Molkereikonzern DMK Deutsches Milchkontor äußerte sich nicht dazu.
Offizielle Daten für den Mai gebe es allerdings noch nicht, sagte Feuerriegel. Vereinzelt seien in Niedersachsen Preise von 19,5 Cent angekündigt worden, von Preisen deutlich unter 20 Cent sei ihm nichts bekannt. „Im Durchschnitt wird der Preis im Mai bei um die 20 Cent liegen“, sagte Feuerriegel. Die Landwirte hätten reagiert. Bundesweit stagniere die Milchproduktion, obwohl eine Produktionssteigerung eigentlich typisch für die Jahreszeit wäre. Bei Produkten wie Butter oder Milchpulver hoffe die Branche auf einen Preisanstieg.
Die Landwirte können laut Schulte to Brinke auf die Milch-Überproduktion nur langsam reagieren: „Wenn wir Schrauben herstellen würden, könnten wir morgen weniger erzeugen.“ Aber wegen der biologischen Zyklen der Tierbestände brauche eine Drosselung der Milchproduktion eine lange Vorlaufzeit. „Es ist so, dass jetzt auch die Kuhschlachtungen anteilsmäßig zunehmen.“
Trinkmilch habe nur einen Anteil von zehn Prozent am Milchabsatz der niedersächsischen Milchbauern, sagte Schulte to Brinke. Er glaube, dass bei anderen Milchprodukten die Talsohle bei den Preisen inzwischen erreicht sei.
Vorsichtiger äußerte sich Feuerriegel. Zwar seien die Preise etwa für Butter, Käse oder Trockenmilch seit einiger Zeit nicht mehr gefallen. Eine Preiserhöhung deute sich aber noch nicht an. „Im Moment ist der Markt auf der Kippe“, sagte er. Sollten die Preise für Butter und Käse wieder steigen, schlage sich das auch in höheren Erzeugerpreisen für die Landwirte nieder, sagte Feuerriegel. Der sehr geringe Preis für Trinkmilch sei aber bis zur nächsten Verhandlungsrunde zwischen Molkereien und Einzelhandel im Oktober fixiert.
Liquiditätsprobleme hätten vor allem Betriebe, die in den vergangenen zwei Jahren stark gewachsen seien, sagte Schulte to Brinke. „Die etablierten Betriebe haben deutlich bessere Chancen, das liquiditätsmäßig zu überstehen.“ Biomilcherzeuger stünden derzeit deutlich besser da als ihr konventionell erzeugenden Kollegen. „Wir haben regional doch einige, die umstellen wollen“, sagte Schulte to Brinke. Allerdings erfülle nicht jeder Betrieb die Voraussetzungen, um auf Biomilch umzusteigen.
Niedersachsen liegt mit 6,9 Millionen Tonnen erzeugter Milch pro Jahr auf Platz zwei hinter Bayern. Nach Angaben des Landesvereinigung der Milchwirtschaft gab es 2014 rund 11 000 milcherzeugende Betriebe und gut 845 000 Milchkühe in Niedersachsen.
