Hude - Lange überlegen muss Mathias Meyer nicht. „Nein“, sagt der Landwirt, „der Milchquote trauere ich nicht nach“. 225 Kühe stehen heute in dem luftigen Stall seines Hofes in Hude-Vielstedt (Landkreis Oldenburg), den der 37-Jährige seit 2010 gemeinsam mit seiner Frau Sandra führt. Wie schon zuvor seine Eltern, Anke und Erhard Meyer, hat die junge Generation in den vergangenen Jahren immer wieder Chancen zur betrieblichen Entwicklung ergriffen – und mussten dafür immer wieder Geld für den Erwerb der Quoten ausgeben.
So wie die Meyers denken viele Landwirte, sagt Heinz Korte, Vizepräsident des Landvolks in Niedersachsen, am Freitag. „Die meisten Milchviehhalter sehen dem Ende der Quote wohlwollend entgegen.“ Nach 31 Jahren läuft die Regelung, die die Milchproduktion in den Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft (EG) bzw. heute EU beschränken sollte, am 31. März, aus.
Bei der Umsetzung 1984 sei sie angesichts von Milchseen und Butterbergen wohl unumgänglich gewesen, meint Korte. „Letzten Endes hat sie unsere Milchviehhalter über 31 Jahre aber viel Geld gekostet“. Nach Schätzungen des Landvolks hat das System bundesweit – allein durch Milchrentenaktionen, Betriebserweiterungen und die Superabgaben an die EU-Kasse – Kosten in Höhe von weit mehr als 15 Milliarden Euro verursacht, davon etwa drei Milliarden in Niedersachsen.
Auch sonst hätte die Quotenregelung die damals versprochenen Erwartungen nicht erfüllt, meint Korte. Das „strenge Mengenkorsett“ habe die Entscheidungsfreiheit der Milchbauern massiv eingeengt, deren Einkommen hätten in den all den Jahren zumeist klar hinter denen der Ackerbauern und Veredelungsbetriebe gelegen. Und den Ausstieg kleinerer Betriebe habe die Quote auch nicht verhindern können. Allein in Niedersachsen hätten seit 1980 fünf von sechs Betrieben aufgegeben. Gab es 1980 noch 65 500 Milchbauern im Land, waren es 2014 nur noch 9717.
Die verbleibenden weiterhin zumeist „bäuerlich-familiär geprägten“ Höfe in Niedersachsen sieht Korte gewappnet für die Zukunft ohne Quote. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass der Weltmarkt mit attraktiven Preisen Anreize setze und die Exportanstrengungen der deutschen Molkereien Früchte trügen.
Mit Auszahlungspreisen von im Schnitt 37 Cent je Kilo seien 2013 und 2014 „sehr gute Jahre“ für die Milchbauern gewesen, so Korte. Zwar habe es seit dem Herbst einen Einbruch gegeben, zuletzt habe der Markt aber wieder Erholungstendenzen gezeigt. „An diese Ausschläge werden wir uns ähnlich wie unsere Kollegen in der Schweinehaltung oder im Ackerbau gewöhnen müssen“, sagte er.
Sorgen, dass die Milchmenge mit dem Ende der Quote „explodieren“ könnte, teilt Korte nicht. Umfragen unter Milcherzeugern hätten ergeben, dass bis 2020 lediglich mit einem moderaten Anstieg von etwa drei Prozent pro Jahr zu rechnen sei.
Auch Mathias Meyer ist optimistisch. 1984, zum Start der Quote standen 30 Kühe in dem Stall in Hude, 185 000 Kilo Quote wurden dem Hof damals zugewiesen. Schritt für Schritt erweiterten und modernisierten erst seine Eltern und dann er selbst den Hof. 2001 wurde etwa in Sichtweite des Stammhofes ein neuer Stall samt Melkkarussell gebaut. Heute stehen dort 225 Tiere. „Wir sehen uns für die Zukunft gerüstet“, sagt er.
