Ganderkesee - Grüne Wiesen, frische Knospen an den Bäumen – auch die Temperaturen sind zurzeit eher frühlingshaft, als winterlich. Welche Auswirkungen hat das auf die Tier- und Pflanzenwelt? „Die Pflanzen sprießen schon. Teilweise sind sogar die Kirschblüten schon sehr weit. Das ist ungewöhnlich“, sagt Garten- und Landschaftsarchitekt Volker Kreye.

„Aber wir sollten nicht denken, dass der Winter schon gelaufen ist. Oft ist es so, dass es im Februar erst richtig kalt wird“, sagt er. Doch große Bedenken haben er und seine Mitarbeiterin Stefanie Grundmann nicht. „So weit, dass sie bei Frost Schaden nehmen, sind die Pflanzen noch nicht“, so Kreye. Das sagt auch Garten- und Landschaftsarchitekt Jürgen Schröder. „Bisher blüht noch nichts, außer Winterjasmin und Winterschneeball, aber für die ist das normal“, sagt Schröder. Problematisch sei es dagegen bei empfindlichen Pflanzen, gibt Schröder zu bedenken.

Sollte es noch einen Kälteeinbruch geben, rät er Hobbygärtnern Rosen mit Reisig einzubinden oder mit Jute-Säcken zu schützen, erklärt er. Sonst könnte es zu Frostrissen in den Knospen kommen. Für die Garten- und Landschaftsarchitekten ist das warme Wetter auch von Vorteil. Sie können nun Pflaster- oder Erdarbeiten ausführen, die bei Frost nicht möglich wären.

Die derzeitigen Temperaturen könnten allerdings im Frühjahr zu Problemen mit Pflanzenschädlingen führen. „Sie sterben normalerweise bei starkem Frost ab, wenn wir keinen Winter mehr kriegen, wird es wohl mehr Schädlinge geben“, so Kreye.

Der Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten, Rainer Städing, bestätigt diese Befürchtung.. „Falter und Käfer überleben bei diesen Temperaturen häufiger. Das führt wiederum zu größeren Populationen im Frühjahr und Sommer“, sagt er. Doch bisher sei die Lage nicht akut. „Man muss die Situation beobachten, aber ich gehe nicht davon aus, dass es eine Plage geben wird“, so der Sprecher.


Für größere Tiere, wie Reh, Damwild oder Wildschwein, seien die milden Temperaturen eher angenehm, sagt Städing. „Ihre Fettreserven benötigen sie derzeit nicht. So kommen sie gut durch den Winter, weil es bislang keine Nahrungsengpässe gab“, erklärt der Experte. Zwar fänden sie im Wald auch jetzt nicht sehr viel Futter, aber da der Boden zurzeit nicht mit Schnee bedeckt ist, sei die Lage für Reh und Wildschwein entspannt, sagt Städing. Selbst kleine und schwache Tiere hätten jetzt eine gute Chance, durch den Winter zu kommen. Sie würden harte Winter sonst meist nicht überleben, so der Experte.

Städing sieht in den milden Temperaturen im Januar nichts Ungewöhnliches. Der Deutsche Wetterdienst habe von 1961 bis 1990 das sogenannte langjährige Mittel errechnet. Dies ergab einen Durchschnittswert von 3,6 Grad. „Seit 1987 bis jetzt lagen nur zwei Jahre unter diesem Wert“, sagt Städing. Inzwischen gebe es auch im Winter mehr Warmphasen als früher, sagt der Sprecher der Landesforsten. Dadurch wird auch die Vegetationszeit, also die Zeit, in der die Pflanzen wachsen, verlängert, erklärt er.

Das Kreislandvolk sieht die milden Temperaturen ebenfalls gelassen. „Bisher wächst nur das Ackergras. Wintergerste, Weizen und Raps sind noch nicht so weit. Die Natur ruht“, sagt erster Vorsitzender Jürgen Seeger. Erst wenn die „Grünland-Temperatur-Summe“, die sich nach einer bestimmten Formel aus den durchschnittlichen Tages- und Nachttemperaturen ab Januar berechnet, 200 Grad ergibt, würden Winterfrüchte wie Weizen und Roggen anfangen zu wachsen, erklärt Seeger. Milde Temperaturen im Januar, seien durchaus nicht ungewöhnlich, sagt er.

Merle Ullrich
Merle Ullrich Redaktion Brake