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Milliardenschwerer Bilanzskandal Sechs Jahre Haft für früheren Steinhoff-Manager

Vor dem Landgericht Oldenburg musste sich ein früherer Manager zum dritten Mal wegen seiner Rolle in der milliardenschweren Steinhoff-Bilanzaffäre verantworten.

Vor dem Landgericht Oldenburg musste sich ein früherer Manager zum dritten Mal wegen seiner Rolle in der milliardenschweren Steinhoff-Bilanzaffäre verantworten.

dpa

Oldenburg - Wegen seiner Rolle in der Steinhoff-Bilanzaffäre hat das Landgericht Oldenburg einen früheren Manager des Möbelkonzerns am Montag insgesamt zu sechs Jahren Haft und einer Geldstrafe in Höhe von rund einer Viertelmillion Euro verurteilt. Letztere hat der 65-Jährige bereits beglichen. Zudem gelten zwei Jahre der Haftstrafe wegen der „unangemessen langen Verfahrensdauer“ als verbüßt, wie der Vorsitzende Richter erklärte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

2015 hatten erste Durchsuchungen in und um Westerstede den Fall in Bewegung gebracht. Damals galt Steinhoff als zweitgrößter europäischer Möbelhändler hinter Ikea. Seine Wurzeln hat das Unternehmen im Ammerland, es sitzt aber seit Jahren in Amsterdam und wird von Südafrika aus gesteuert.

Bereits in zwei anderen Verfahren verurteilt

Der inzwischen verstorbene frühere Konzernchef und Südafrikaner Markus Jooste gilt als Strippenzieher in der Affäre um gefälschte Bilanzen in Milliardenhöhe. Der nun verurteilte ehemalige Geschäftsführer europäischer Steinhoff-Töchter hatte zu Beginn des Prozesses erklärt, dass er auf Joostes Anweisung hin gehandelt habe, um dessen Zielvorgaben im Jahresergebnis erfüllen zu können.

Der frühere Geschäftsführer musste sich in der Sache bereits zum dritten Mal vor dem Landgericht Oldenburg verantworten. Im Sommer 2023 war er bereits in zwei Verfahren wegen Beihilfe zur unrichtigen Darstellung in Bilanzen sowie privater Steuerhinterziehung verurteilt worden. Im dritten Verfahren ging es um hinterzogene Gewerbe- und Körperschaftsteuern. Nach Auffassung des Gerichts soll der Mann gewerbliche Steuern in Höhe von 6,7 Millionen Euro verkürzt haben.

Steuerhinterziehung keine Absicht, aber wissentlich in Kauf genommen

Damit die gefälschten Bilanzen nicht aufflogen, habe der gelernte Buchhalter die Steuerhinterziehung wissentlich in Kauf genommen, sagte der Vorsitzende Richter. „Das war keine absichtliche Steuerhinterziehung. Es war eine Begleiterscheinung der unrichtigen Darstellung in Bilanzen.“


Zugute hielt ihm die 2. Große Strafkammer, dass er sich in vollem Umfang zu den Taten geäußert hatte und ihm selbst kein finanzieller Vorteil entstanden sei. Zudem habe er glaubhaft versichert, dass er seine Taten bereue und Verantwortung für seine Rolle in der Bilanzaffäre übernehme. „Wir sehen, dass Sie das Verfahren zum Anlass genommen haben, um reinen Tisch zu machen.“

Lesen Sie auch: Ehemaliger Steinhoff-Chef Jooste ist tot (21.03.2024)

Verfahren gegen Jooste eingestellt

Das Verfahren gegen den früheren Konzernchef Markus Jooste ist nach dessen Tod eingestellt worden, wie ein Sprecher des Landgerichts Oldenburg bestätigte. Der Südafrikaner galt als Strippenzieher in der Bilanzaffäre in Milliardenhöhe um den Steinhoff-Konzern.

Gegen Jooste liefen auch in Südafrika mehrere Verfahren. Kurz vor seinem Tod hatte dort die Nationale Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen ihn erlassen. Vorgeworfen wurden ihm unter anderem Betrug und Verstöße gegen Finanzmarktgesetze.

Svenja Fleig
Svenja Fleig Thementeam Wirtschaft
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