Brake - „Zuerst waren wir natürlich freudig überrascht. Aber dann kam schnell die Ernüchterung.“ Uwe Buntrock aus der Lessingstraße hält ein Schreiben aus Spanien in der Hand, das vor wenigen Tagen seiner 77 Jahre alten Mutter Gertrud Buntrock zugestellt wurde. Adressiert ist der Brief an seinen im Mai vergangenen Jahres verstorbenen Vater Gerold Buntrock, und dem wird mit dem Schreiben ein Millionenerbe in Aussicht gestellt. Uwe Buntrock indes glaubt nicht an den unerwarteten Geldsegen. Er geht davon aus, dass es sich bei der Post um nichts als Nepp handelt, mit dem seine Mutter um Geld geprellt werden soll.
Absender des Schreibens ist ein gewisser Santos Alberico, angeblich Anwalt bei der Firma Alsa-Paloma Abogados mit Sitz in Madrid. Er schreibt, dass er auf der Suche nach Angehörigen eines Olaf Buntrock sei. Dieser soll für einen spanischen Energie-Konzert gearbeitet haben, im Dezember 2004 bei einem Tsunami ums Leben gekommen sein und eine Erbschaft von 5,8 Millionen US-Dollar hinterlassen haben.
Das Geld sei bei einer Sicherheitsfirma in einem Safe hinterlegt. Diese Firma habe ihn beauftragt, Angehörige zu suchen. Finde er keine Angehörigen, werde das Millionenerbe in die „Spanische Schatzkammer“ wandern. Man habe ihm bereits ein Ultimatum gestellt, schreibt Alberico. Der vermeintliche Anwalt schlägt dem verstorbenen Gerold Buntrock vor, sich als Angehöriger auszugeben. Er, Alberico, werde dann alle Formalitäten regeln. Wird das Geld ausgezahlt, könne man sich die 5,8 Millionen Dollar teilen.
Uwe Buntrock hat sich, nachdem seine Mutter ihm das Schreiben gezeigt hatte, an sein Laptop gesetzt und im Internet recherchiert. Dort finden sich zahlreiche Hinweise auf die spanische Firma, die den Braker inzwischen sicher sein lassen, dass seine Familie hereingelegt werden soll.
In anderen Fällen wurden nach den Recherchen Uwe Buntrocks Empfänger ähnlicher Schreiben später aufgefordert, zur Begleichung von Kosten mit größeren Geldbeträgen in Vorleistung zu treten. Nur von dem angeblichen Erbe hätten sie nie etwas gesehen, sagt der Braker.
Knut Matthiesen, Leiter des Kriminalermittlungsdienstes des Polizeikommissariats Brake, sagte am Dienstag auf Nachfrage der NWZ, dass nach seinem Kenntnisstand in Brake ansonsten zurzeit niemand ein solches Schreiben wie die Familie Buntrock erhalten habe. Die Masche, die sich offenbar hinter der Post aus Spanien verbirgt, sei bei der Polizei aber hinlänglich bekannt. Matthiesens Rat in solchen Fällen: „Nicht reagieren, sondern ignorieren und wegschmeißen.“
