Wiesbaden/Hannover - Die Einführung des Mindestlohns hat den Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen im vergangenen Jahr etwas verringert. Arbeitnehmerinnen kamen auf durchschnittlich 16,20 Euro brutto je Stunde, das waren 21 Prozent weniger als Männer (20,59 Euro). Im Jahr zuvor hatte der Abstand noch 22 Prozent betragen, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch anlässlich des Equal Pay Day am 19. März mitteilte. Qualifikation und Art der Tätigkeit werden dabei nicht berücksichtigt.
Einer der Gründe könnte die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro je Stunde zum 1. Januar 2015 sein, erklärten die Statistiker. Eine exakte Bewertung sei mit den Daten der vierteljährlichen Verdiensterhebung zwar nicht möglich. Der stärkere Anstieg der Stundenverdienste von Frauen 2015 gehe aber vor allem auf hohe Zuwächse bei den vom Mindestlohn betroffenen ungelernten und angelernten Arbeitnehmerinnen zurück.
Frauen arbeiten aus familiären Gründen häufig in Teilzeit. Oft sind sie auch in Branchen mit geringerer Bezahlung tätig. Bei vergleichbarer Tätigkeit und äquivalenter Qualifikation verdienten Frauen den Angaben zufolge im Jahr 2010 pro Stunde 7 Prozent weniger als Männer.
Auch in Niedersachsen veränderte sich die sogenannte „Gender Pay Gap“ um einen Prozentpunkt auf 21 Prozent, so das Landesamt für Statistik. Allerdings liegen die Verdienste hier etwas niedriger als im Bundesschnitt. Bei weiblichen Beschäftigten gab es 2015 einen Anstieg beim Bruttoverdienst um 2,5 Prozent auf 14,97 Euro, bei Männern um 1,4 Prozent auf 19,01 Euro.
Vielfach deutlicher zeigt sich der Geschlechterunterschied noch bei den Alterseinkünften. Als gesetzliche Altersrente erhielten einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zufolge Frauen 2014 durchschnittlich 618 Euro, Männer 1037 Euro. Hinzu kämen Betriebsrenten, bei denen Männer 2011 im Schnitt mit 574 Euro fast dreimal so viel Geld bezogen wie Frauen.
Rechnet man alle Alterseinkünfte einschließlich privater Vorsorge zusammen, bekommen Frauen laut der Rentenforscherin Brigitte Loose nur 43 Prozent der Bezüge der Männer. 1992 sei der Unterschied aber noch größer gewesen: Damals lagen die Frauen nur bei 31 Prozent des Männer-Niveaus. Die Rentenlücke schrumpfe ganz langsam, weil mehr Frauen erwerbstätig seien und Erziehungszeiten besser anerkannt würden, hieß es in der Studie.
